Urteil über Referendum in Bayern: Cannabis-Initiative scheitert
Jetzt alle ganz tief durchatmen: Der Bayerische Verfassungsgerichtshof lässt ein „Legalize it“-Volksbegehren nicht zu.
Foto: Nathan Denette/The Canadian Press via ap
Das Volksbegehren „Ja zur Legalisierung von Cannabis in Bayern“ wird nicht zugelassen. Das entschied jetzt der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Grund: Das geforderte Bayerische Hanfgesetz verstoße gegen Bundesrecht.
Ziel der Initiative war es, dass der bayerische Landtag ein Hanfgesetz beschließt. Darin sollte Anbau, Einfuhr, Verkauf und Verwendung von Cannabis in Bayern erlaubt werden. Hanfprodukte mit erhöhtem THC-Gehalt sollten über Apotheken und lizenzierte Fachgeschäfte verkauft werden. Dabei ging es nicht nur um den Einsatz für medizinische Zwecke (hierfür besitzen derzeit bundesweit rund 400 Personen eine Ausnahmegenehmigung), sondern auch als „Genussmittel“.
Hinter der Initiative stand der Cannabisverband Bayern, ein seit 2014 bestehender Dachverband von 14 Cannabis Social Clubs. In München betreibt der Verband auch einen Biohanfladen, in dem legale Hanfprodukte wie Hanföl (für die Hautpflege) und Hanfsamen (zur Förderung der Verdauung) verkauft werden.
Für die Legalisierung von Cannabis als entspannendes Genussmittel sammelte der Verband bereits 27.000 Unterschriften. Für die Zulassung des Volksbegehrens hätten schon 25.000 Signaturen genügt.
Populistische Argumentation
Doch das bayerische Innenministerium hielt den Antrag für unzulässig. Bayern habe keine Befugnis, vom bundesweit geltenden Betäubungsmittelgesetz (BtmG) abzuweichen. Das sah Wenzel Cerveny, Sprecher des Cannabisverbands, anders.
Das Bundesgesetz sei unverhältnismäßig und daher verfassungswidrig. Außerdem sei Bayern ein „Freistaat“, der sich vom Bund überhaupt nichts sagen lassen müsse. Die Argumentation war also eher populistisch als juristisch ausgefeilt.
Doch wie es gesetzlich vorgesehen ist, musste noch der Bayerische Verfassungsgerichtshof über die Nichtzulassung des Volksbegehrens entscheiden. Wie zu erwarten war, schloss er sich an diesem Donnerstag dem Innenministerium an: Das Betäubungsmittelgesetz des Bundes blockiere ein abweichendes Landesgesetz, so der Gerichtshof.
Nur einer von neun bayerischen Verfassungsrichtern wollte das BtmG dem Bundesverfassungsgericht zur erneuten Prüfung vorlegen. Im Jahr 1994 hatte Karlsruhe das Gesetz noch als verfassungskonform gebilligt und ein Recht auf Rausch abgelehnt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert