Unterdrückte Proteste in Kuba: Letzter Ausweg Madrid

Der Künstler Yunior García Aguilera hat die jüngst von Kubas Behörden verhinderten Proteste organisiert. Nun ist er mit Frau nach Spanien ausgereist.

Ein Mann gestikuliert und schwingt eine Faust

Gebrochen, aber kämpferisch: Yunior García Aguilera vor der Presse in Madrid Foto: Bernat Armangue/ap

HAMBURG taz | Yunior García Aguilera war auf alles vorbereitet: Der kubanische Dramatiker und Organisator des eigentlich für den 15. November geplanten „friedlichen Marschs für den Wandel“ rechnete mit Festnahme, mit Gefängnis, mit einem Prozess. Darauf, komplett isoliert, abgenabelt und angefeindet zu werden, war er nicht vorbereitet.

Einen Tag vor dem „15N“, bereits am Sonntag, hatte er allein, in weiß gekleidet und mit einer weißen Rose in der Hand, durch Havanna laufen wollen. Doch seine Straße war abgeriegelt, vor seiner Haustür defilierten Dutzende Zivilisten und zivil gekleidete Mitarbeiter der Staatssicherheit und verhinderten, dass er das Haus verließ. Ein Foto von ihm am Fenster wurde jetzt schon ikonisch – aufgenommen, bevor die Behörden sein Fenster mit kubanischen Fahnen bedeckten. So ähnlich ging es den meisten bekannten Aktivist*innen, und auch auf den zentralen Plätzen waren vor allem Sicherheitskräfte in Uniform und in zivil präsent – kaum jemand traute sich so zu demonstrieren.

Von jeglicher Kommunikation abgeschnitten, in der eigenen Wohnung gefangen, umgeben von Menschen, die ihn an der eigenen Haustür als Konterrevolutionär beschimpfen, das war zu viel für den 39-jährigen Dramatiker. Da stieg in ihm zum ersten Mal die Angst auf, dass die kubanischen Polizeipsychologen ihn genau analysiert hatten, dass sie wussten wie sie ihn klein kriegen könnten: Ihn verstummen lassen, ihm seiner einzigen Waffe berauben: dem Wort.

Am Sonntag, den 14. November, sei ihm diese Angst zum ersten Mal aufgestiegen so García Aguilera in einem Interview mit dem kubanischen Kinoregisseur Ian Padron – wenige Stunden, nachdem er zusammen mit seiner Frau in Madrid gelandet war.

Weitermachen – aber von außen

Angefragt hatte er bereits ein paar Tage zuvor in der spanischen Botschaft, wo die beiden Touristenvisa am Montag ausgestellt worden waren. Einen Tag später, am Abend checkten Yunior García Aguilara und seine Frau Dayana Prieto dann ein.

Ohne die Sonderbehandlung der spanischen Diplomaten hätte der Künstler, der in Kubas Staatsmedien binnen weniger Wochen vom etablierten Künstler zum „Politik-Lotsen im Dienste der USA“ mutiert war, kaum so schnell die Insel verlassen können. Doch auch von kubanischer Seite, von den Sicherheitskräften und den Grenzbeamten wurde das Paar offenbar ohne Probleme durchgewunken. Nachvollziehbar, denn das offizielle Kuba scheint froh, den unbequemen Theatermann los zu sein.

Regierungssprecher Humberto López postete wie zum Beweis ein Foto der Abreise. Doch dieser Sieg und der Whisky, den die Verantwortlichen in Kuba darauf trinken werden, sei eben nur das Ende eines Aktes, nicht des ganzen Stückes, merkte Yunior García Aguilera im Interview kämpferisch an.

Priorität habe für ihn, die festgenommen Freunde freizubekommen, die mit ihm gemeinsam die Facebook-Plattform Archipiélago auf die Beine stellten und aktuell hielten. Das hat ihm und auch Archipiélago in Kuba viel positive Resonanz eingebracht. Genauso die Tatsache, dass er erklärte, keine Maschine zu sein und kein Märtyrer. Damit, so Juan Elias Navarro, einer der am 15. November in Santiago de Cuba auf die Straße gehen wollte, sei keinem geholfen. Es sei richtig gewesen zugehen und von draußen weiter zu machen.

Genau damit hat Yunior García Aguilera bereits angefangen. Bei einem Pressegespräch in Madrid prangerte er das unter vielen Linken immer noch positive Image der Insel an. Er habe sich selbst sein Leben lang als Linken angesehen – die Machthaber auf der Insel seien hingegen konservative Bürokraten, die eine Diktatur errichtet hätten.

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