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Kopf mit Mikro Kopfhörer und einem Mund, der wegfliegt
Illustration: Manuel Fazzini

Unser Fenster nach Belarus Ales Bialiatski über Gefängnis, Repression und Hoffnung

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Ein Apfel pro Jahr, Kälte, Isolation: Ales Bialiatski berichtet über das Gefängnissystem in Belarus und seinen Kampf für Freiheit.

„Im vergangenen Jahr habe ich genau einen einzigen Apfel gegessen.“ Mit diesem Satz beschreibt der Friedensnobelpreisträger Ales Bialiatski das Leben in einem belarusischen Gefängnis. „Nachts werden die Betten heruntergeklappt, tagsüber bleibt fast nichts außer Betonwänden. Es ist kalt. Das Essen besteht meist nur aus Brei und Suppe. Das Leben im Gefängnis ist ein ständiger Kampf ums Überleben“, erzählt der belarusische Menschenrechtler.

Diese Folge von „Freie Rede“ ist die Aufzeichnung einer Podiumsdiskussion beim Internationalen Journalismusfest in Innsbruck. Im Gespräch mit Tigran Petrosyan spricht Bialiatski über das System der Repression in Belarus – und darüber, wie sehr die Gefängnisse des Landes noch immer von der sowjetischen und stalinistischen Lagerlogik geprägt sind.

„Man lebt dort nicht einfach in einer Zelle, sondern in einer Strafkolonie“, erzählt er. „Die Gefangenen schlafen in Baracken mit 50 bis 100 Menschen. Arbeit ist verpflichtend. Wer sich weigert, riskiert zusätzliche Strafen.“

taz panterstiftung

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Ales Bialiatski ist Gründer der Menschenrechtsorganisation Wijasna und seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Stimmen für Demokratie und politische Freiheit in Belarus. Kurz nachdem er 2022 den Friedensnobelpreis erhielt, verurteilte ihn das Lukaschenko-Regime zu zehn Jahren Haft. Im Dezember 2025 kam er gemeinsam mit mehr als hundert weiteren politischen Gefangenen frei.

Wie wirken die Sanktionen gegen Belarus?

Bialiatski berichtet von Isolation und dem Versuch des Regimes, politische Gefangene systematisch zu brechen. Und dennoch spricht er nicht nur über Angst und Gewalt, sondern auch über Solidarität, Humor und Hoffnung. „Wir wussten: Das ist unsere Aufgabe. Wir durften nicht um Begnadigung bitten und keine falschen Schuldbekenntnisse ablegen.“

Bialiatski spricht in diesem Podcast über die Wirkung westlicher Sanktionen gegen Belarus, über den Einfluss des Kremls auf sein Land und über die Rolle der belarusischen Opposition im Exil.

Er erzählt von den Grausamkeiten des Gefängnissystems – aber auch von absurden Momenten hinter Gittern. Und er erklärt, warum er trotz allem weiter an ein demokratisches Belarus glaubt.

Vom 8. bis 10. Mai war Ales Bialiatski zu Gast beim Internationalen Journalismusfest in Innsbruck. Die Podiumsdiskussion wurde von der taz Panter Stiftung und der ERSTE Stiftung Wien ermöglicht.

Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz panterstiftung, die dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird – Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach u. a. Russland/Belarus“ im Podcastformat „Freie Rede“ der taz panterstiftung.

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