Unfälle durch Pyrotechnik zu Silvester: Mediziner und Umweltschützer wollen Böllerverbot
Der Ärztekammerpräsident und die Umwelthilfe fordern, privates Böllern zu verbieten. Der Feuerwerksverband sieht Alkohol als das größere Problem.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert von der Politik, die „wilde Böllerei“ zu verbieten. „Die ungeregelte Knallerei führt immer wieder zu schweren Verletzungen auch bei Unbeteiligten, sie ängstigt viele Menschen, ist schlecht für das Klima und verursacht enormen Müll“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland RND. Die Verletzungen infolge des Böllerns sorgten „für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kosten die gesetzliche Krankenversicherung Millionen.“ Die Innenminister von Bund und Ländern müssten die Bevölkerung schützen, ergänzte Reinhardt.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schloss sich der Forderung des Ärztepräsidenten an und wandte sich ausdrücklich an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU): Vor allem Dobrindt trage „die Verantwortung für die schweren Verletzungen, die Angriffe auf Einsatzkräfte, das millionenfache Tierleid und die extremen Feinstaubspitzen“ durch Feuerwerk an Silvester, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Die DUH warnte „vor einer beispiellosen Eskalation in der Silvesternacht“. Sie verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt wurden und damit über 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Feuerwerksverband fordert Fokus auf Alkohol
Der Präsident des Bundesverbandes für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk wies die Forderungen nach einem Verbot privaten Böllerns dagegen zurück. Schwere Unfälle mit Pyrotechnik passierten „praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk“, teilte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mit. Es sei nicht möglich, sich mit einem legalen Silvesterböller eine Hand zu zerstören oder gar Gliedmaße abzutrennen.
Notaufnahmen seien an Silvester „nicht wegen Feuerwerkskörpern voll“, fuhr Kröpl fort, sondern „zum Jahreswechsel insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums überfüllt“.
Während die Innenminister*innen der Bundesländer zu keiner gemeinsamen Position bezüglich eines Böllerverbots kamen, verbieten zahlreiche Städte privates Feuerwerk in Teilen der Gemeinde. Lüneburg, Göttingen und Braunschweig zum Beispiel haben Böllerverbotszonen in der Innenstadt eingerichtet. (mit afp, dpa)
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