Umstrittenes Sportsponsoring: Fossilball

In Zeiten von Klimakrise und Fridays for Future stürzen sich Autokonzerne und Fluggesellschaften gerne auf den Sport. Er ermöglicht ein gutes Image.

Ein Fußballschiedsrichter beugt sich über ein kleines Elektroauto, um den Ball zu greifen, der auf dessen Dach liegt

Ohne das Automobil des Wolfsburger Weltkonzerns gibt es keinen Fußball Foto: Sven Simon/imago

Ein Ölkonzern und eine Fluggesellschaft stehen im Halbfinale der EM – die wiederum von Autoherstellern getragen wird. Der italienische Fußballverband wird vom teilstaatlichen Energieunternehmen Eni unterstützt, der englische Fußball von der Airline Emirates. All das findet unter dem Dach des europäischen Fußballverbandes Uefa statt, der stolz auf Sponsoren wie Gazprom, Nissan, Kia, Qatar Airways und Volkswagen ist.

Das Logo von VW (der Konzern macht vor allem für seine E-Modelle Werbung, verkauft aber weiter vor allem Verbrenner) schmückte auch die Trainingsanzüge bei der deutschen Nationalmannschaft. Gleichzeitig fährt bei der Tour de France (Hauptsponsor: Skoda) erfolgreich die Equipe der Vereinigten Arabischen Emirate mit, unterstützt von Emirates, ebenso dabei ist das Team Ineos, das einem Chemiekonzern gehört. Und in Tokio bei den Olympischen Spielen (Toyota, Dow Chemicals) werben in zwei Wochen auch Hyundai, Total, Mercedes-Benz und Lufthansa.

In der Welt des Sports haben trotz Klimakrise und Fridays for Future die fossilen Werber das Zepter übernommen. Das Werbegeld fließt nach einer aktuellen Studie weltweit in 258 Sportdeals, neben Fußball auch für Teams, Wettkämpfe, Stadien und Organisationen etwa im Tennis, Basketball, in der Leichtathletik, im Radfahren, Rugby, American Football, Segeln, Golf und beim Motorsport. Die Untersuchung schätzt den Wert des fossilen Sponsoring auf etwa 46 Milliarden Dollar, rund ein Zehntel des wirtschaftlichen Werts des globalen Sportbusiness von 471 Milliarden Dollar.

„Sponsorenschaft mit hohem CO2-Fußabdruck hat im Sport auf vielfältige Weise die einst normalen und inzwischen verpönten Deals mit der Tabakindustrie ersetzt“, heißt es in der Studie „Sweat not Oil“. Die Untersuchung wurde von den britischen Klimaschutzorganisationen Rapid Transition Alliance, Possible, dem New Weather Institute und der KR Foundation vorgestellt.

Das Geld aus Öl- und Gaskonzernen, Autobauern, Fluglinien oder Chemiekonzernen fließt demnach am häufigsten in den internationalen Fußball: In der Bundesliga etwa wurde Audi/Qatar Airways mit dem FC Bayern Meister. Der langjährige Konkurrent Opel (Dortmund) kann da nicht mithalten. Volkswagen spielte eine tolle Saison und sicherte sich in Wolfsburg einen Platz in der Champions League (Nissan, Gazprom, Expedia). Abgestiegen allerdings ist Schalke mit Schalke Gazprom.

Ligen, Verbände, Klubs – alle nehmen gerne

Neben der Bundesliga stehen unter anderem die Uefa und der Weltfußball Fifa auf der Empfängerliste, dazu nationale Ligen und Ausnahmeclubs wie Liverpool (MG Motor), Paris Saint-Germain (Qatar Airways, Renault), Juventus Turin (Jeep) oder Real Madrid (Emirates, Audi). Aber auch viele Tennisturniere, die Olympischen Spiele, Segelregatten, Golfturniere oder Radrennen wie die Tour de France oder der Giro d’Italia werben für Produkte, die die Klimakrise weiter anheizen.

Größter Sponsor ist und bleibt die Autoindustrie mit fast 200 Werbekontrakten, gefolgt von Fluglinien mit 63 Deals. Auch der russische Gaskonzern Gazprom und der Chemiegigant Ineos sind häufig vertreten. Die meisten Werbedeals schloss der Autobauer Toyota, danach kommt die Fluglinie Emirates, nach der in London auch ein Stadion benannt ist.

Die Auftraggeber der Studie rufen dazu auf, dieses „CO2-intensive Sponsoring des Sports zu beenden“. Die Konzerne verschafften sich und ihren Produkten auf diese Weise eine Akzeptanz, heißt es dort, die sie angesichts ihres Beitrags zur Klimakrise nicht haben sollten. Bisherige Selbstverpflichtungen der Werbebranche zu Anstrengungen im Klimaschutz „sagen nichts aus über die Verantwortung des Sektors dafür, Materialismus und Überkonsum anzufeuern“. Die Umweltgruppen plädieren für „die vielen Vorteile für Gesundheit, soziales Leben und lokale Wirtschaft durch lokalen, CO2-armen Sport“.

Auch der Sport leide unter dem Klimawandel, etwa durch Hitzewellen oder die Zerstörung von Infrastruktur wie Golf- und Fußballplätzen, heißt es. Die Erwärmung führt etwa auch dazu, dass viele Wintersportgebiete nicht mehr schneesicher sind. Und auch das weltweite Sportbusiness hat einen CO2-Fußabdruck, im besten Fall so groß wie Tunesien, im schlechtesten so groß wie Polen, hat eine andere Untersuchung gezeigt.

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