Umgang mit kolonialem Erbe in Hannover: „Das genügt nicht“
Koloniale Vergangenheit, rassistische Gegenwart: Der Hannoveraner Abayomi Oluyombo Bankole ruft zu mehr Widerspruch gegen rassistische Tendenzen auf.
taz: Herr Abayomi Bankole, welche Orte in Hannover erinnern Sie besonders an die kolonialistische Vergangenheit Deutschlands?
Abayomi Oluyombo Bankole: Da gibt es etwa das Grabmal von Carl Peters auf dem Stadtfriedhof Engesohde, mit dem ein Mörder immer noch als Held geehrt wird. Carl Peters hat Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts eigenmächtig die Kolonie Deutschostafrika gegründet und viele Afrikaner umgebracht. Ein weiteres Denkmal von ihm steht auf dem ehemaligen Carl-Peters-Platz, der kurz vor der Expo in Bertha-von-Suttner-Platz umbenannt wurde. Mittlerweile hat man neben dem Denkmal auch eine kleine Tafel aufgestellt, um auf seine Verbrechen hinzuweisen. Aber das genügt nicht.
taz: Sie selber leben seit über 50 Jahren in Deutschland. Wie wurden Sie damals von den Deutschen behandelt?
Bankole: Ich bin 1972 von Nigeria nach Deutschlandgekommen und am Anfang waren meine Erfahrungen mit denDeutschen sehr positiv. Ich bin hier mit offenen Armenaufgenommen worden. Aber dann habe auch ich Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Damals gab es noch nicht so viele Afrikaner und Afrikanerinnen in Hannover. Ich war der erste afrikanische Taxifahrer in Hannover. Und da gab es Kollegen, die mir damals Bananen gezeigt und gesagt haben, ich solle zurück in den Urwald gehen. Aber ich habe mich wehren können, weil ich schon einigermaßen die deutsche Sprache sprechen und verstehen konnte. Ich habe mich bei der Taxizentrale beschwert und diese Leute wurden dann zu Geldstrafen verurteilt.
taz: Gibt es ein Beispiel für alltäglichen Rassismus, das Sie besonders empört hat?
Bankole: Ein Landsmann wollte mich mit dem Fahrradbesuchen und er wurde von Polizisten angehalten, die ihn nacheinem Beleg dafür gefragt haben, dass ihm dieses Fahrrad gehört. Er musste dann zu sich nach Hause zurückfahren, um das Schriftstück zu holen, und sie sind dabei hinter ihm hergefahren, um ihn zu kontrollieren. So etwas erleben hier viele Afrikaner. Aber sie schweigen darüber, weil sie nicht wissen, wie sie sich wehren können.
taz: Sie haben sich in zahlreichen Initiativen dafür engagiert, dass sich diese Verhältnisse ändern. Wie ist es Ihnen etwa gelungen, dass Polizisten mit Afrikanern Fußball spielen?
Bankole: Wie viele Afrikaner habe auch ich negativeErfahrung mit der Polizei gemacht. Darum habe ich mir gedacht, wenn die Afrikaner und die Ordnungskräfte mal miteinander Fußball spielen, kommen sie so in Berührung miteinander. Das fanden die im Rathaus gut und wir haben dann auch mit dem Polizeipräsidenten gesprochen. Der war zuerst skeptisch, ob die Polizisten das annehmen würden. Aber beim ersten Spiel haben sie sich die Hand gegeben und gegenseitig wieder hochgezogen, wenn sie hingefallen waren. Nach dem Spiel haben sie dann zusammen gegessen und getanzt. Das hatten wir so noch nicht erlebt.
taz: Und wie kam es dazu, dass Sie die Menschen auch zu Weihnachten einander näher brachten?
Bankole: Bei einer Bibellesung hat mir eine alte Frau ganz traurig erzählt, sie hätte versucht, zwei muslimische Kinder bei einem Streit auseinander zu halten. Aber die hätten ihr dann gesagt, sie solle sie nicht anfassen, weil sie eine Christin und darum unrein sei. Ich habe mir dann gedacht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Religionen miteinander feiern, lernen sie sich dabei besser kennen und akzeptieren einander. Und dieses interkulturelle Weihnachtsfest wurde dann so gut angenommen, dass es jetzt in jedem Jahr gefeiert wird.
Gespräch mit Abayomi Bankole und Hanna Legatis, Dienstag, 4.11., 18 Uhr, ZeitZentrum Zivilcourage, Theodor-Lessing-Platz 1A, Hannover
taz: Fühlen Sie als Afrikaner in Deutschland durch Rassismus bedroht?
Bankole: Früher nicht! Ich fühle mich hier in Deutschland pudelwohl. Ich bin seit 33 Jahren nicht mehr in Nigeria gewesen. Aber die Parolen, die heute immer mehr herausposaunt werden, sind besorgniserregend. Seit diesen neuen Entwicklungen habe ich das Gefühl, dass ich jederzeit wieder abreisen können sollte.
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