US-Comedian Joe Rogan hat Corona: Entwurmungsmittel für den Redneck

Der populäre Podcasthost Joe Rogan sprach sich erst gegen Corona-Impfungen aus. Nun ist er selbst erkrankt – und verbreitet weiteren Unsinn.

Joe Rogan

Einflussreich und durchgeknallt: US-Podcast-Host Joe Rogan Foto: Mark J. Rebilas-USA Today/reuters

Joe Rogan betreibt den in den USA populärsten Podcast überhaupt – rund 11 Millionen hören bei den Folgen zu. Kein Wunder, dass der Podcast im letzten Jahr für die Rekordsumme von 100 Millionen US-Dollar zu Spotify gewechselt ist. Joe Rogan ist 54, Comedian, Sportkommentator und eben Podcast-Host. Außerdem ist er Glatzkopf, Jäger, Kampfsportler, reichlich tätowiert und bekennender Kiffer – es ging um die Welt, als er mit Tesla-Chef Elon Musk vor der Kamera einen Joint rauchte.

Und er ist seit ein paar Tagen mit dem Coronavirus infiziert.

Diese Nachricht schlug Wellen: Zum einen hatte Rogan vor wenigen Monaten gesagt, junge, gesunde Leute sollten sich eher nicht impfen lassen. Da war dann die Kritik an ihm so laut, dass er wenig später zurückruderte und sagte, man solle nicht auf ihn hören, er habe ja gar keine Ahnung. Dennoch: Eine der prominentesten Medienfiguren der USA, mit einem Publikum, das weit über die Bubble der rechten Talk-Radios hinausgeht, hatte sich kritisch übers Impfen geäußert, der Schaden war da.

Als Rogan jetzt am Mittwoch seine Fans über seine Infektion informierte – die er nach der Rückkehr von Auftritten in Florida bemerkte, einem der Bundesstaaten mit den geringsten Covid-Schutzmaßnahmen und den höchsten Infektionsraten –, legte er den nächsten Skandal nach: Er habe sich sofort alle möglichen Medikamente verabreicht, darunter Ivermectin – ein Entwurmungsmittel für Pferde, das Impfgegner immer wieder als Medizin gegen Covid-19 anpreisen. Die US-Gesundheitsbehörde warnt davor in scharfen Worten. Ihm ginge es, so Rogan, damit schon am dritten Tag wieder super.

Passt in keine Schublade

Das passt alles wunderbar zu dem Mann, dessen Faszination man sich schwer entziehen kann. Oder genauer: Männer sich schwer entziehen können. Tatsächlich ist Rogans Männlichkeitsentwurf schon Gegenstand einer Reihe von Feuilletonartikeln geworden: Für die einen ist er der Prototyp „toxischer Männlichkeit“ – ein Begriff, den er selbst für unsinnig erklärt –, für die anderen ist er ein Role-Model.

Jede Folge von Rogans Podcasts, bei denen er nur selten Frauen zu Gast hat, dauert fast drei Stunden – Rogan hört zu, hat Spaß daran, sich genau erklären zu lassen, was er nicht versteht, kann aber auch über Golf ausplaudern – das er nicht spielt. Bei Videoformaten sieht man dann sein so charmant-verschmitztes Lächeln – zum Reinbeißen. Rogan ist ein Redneck mit Verstand, ein radikaler Gegner von Political Correctness, der dennoch mitunter linksliberal argumentiert, aber auch Typen wie den durchgeknallten Verbreiter von Verschwörungsmythen Alex Jones ins Studio einlädt.

Rogan passt nicht in die gewöhnlichen Schubladen. Im US-Wahlkampf 2020 lud er genau einen einzigen Kandidaten in seine Show: Bernie Sanders. Als Sanders gegen Joe Biden aus dem demokratischen Kandidatenrennen ausschied, erklärte Rogan, er würde eher Trump wählen als Biden.

Und jetzt ist Joe Rogan ein Mann mit Covid-19.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de