US-Angriff auf Venezuela: Venezuela kooperiert, US-Demokraten opponieren
Venezuelas amtierende Präsidentin zeigt sich offen, mit Trump zu arbeiten. In den USA kommt Kritik von Demokraten – und von MAGA-Stimmungsmachern.
Nach den Angriffen der USA auf Venezuela sind aus Caracas mittlerweile neue Töne zu vernehmen. Delcy Rodríguez, ehemals Nicolás Maduros Vizepräsidentin, die jetzt amtsführend das Land regiert, zeigt sich offener für eine Zusammenarbeit mit der Trump-Regierung. Hatte Rodriguez die völkerrechtswidrige Nacht-und-Nebel-Entführung Maduros am Samstag noch scharf verurteilt, fand sie in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung konziliantere Worte.
Venezuela wolle ohne äußere Drohungen leben und habe ein Recht auf Souveränität, teilte Rodríguez mit. Doch sie fügte an: „Wir laden die US-Regierung ein, im Rahmen des Völkerrechts gemeinsam an einer kooperativen Agenda zu arbeiten, die auf eine gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist, und das dauerhafte Zusammenleben der Communitys zu stärken.“
Spätestens auf der Pressekonferenz der Trump-Regierung am Samstag wurde deutlich, dass es den USA nicht um einen echten Regimewechsel in Caracas geht. Außenminister Marco Rubio sagte dort, man sei mit Rodríguez in Kontakt und diese wolle kooperieren.
Sollte die amtierende Präsidentin nicht nach Trumps Pfeife tanzen, behält sich seine Regierung weitere Angriffe vor. Die USA zielen darauf ab, über ihre Ölkonzerne den Zugang zu venezolanischem Schweröl zu sichern – obwohl dessen Relevanz für die USA selbst und den Weltmarkt gering ist. Vielmehr dürfte es der US-Regierung darum gehen, den Ölfluss aus Venezuela nach Kuba zu unterbinden, um das Regime in Havanna unter Druck zu setzen.
Drohungen entlang der westlichen Hemisphäre
Auch wollte Trump an dem widerspenstigen Maduro ein Exempel statuieren, um mit seiner Mafia-Diplomatie Konzessionen in anderen Ländern zu erwirken. An Bord der Air Force One wiederholte der Präsident seine Drohungen gegen andere Länder in der westlichen Hemisphäre. So zählte Trump erneut Kolumbiens Präsident Gustavo Petro an, sprach von einer Übernahme Grönlands und sagte, das Regime in Kuba stünde „kurz vor dem Fall“.
Laut der Regierung in Havanna sind bei dem US-Angriff am Samstag auch 32 kubanische Offiziere getötet worden. Einem venezolanischen Offiziellen zufolge soll die Gesamtzahl der Opfer bei 80 liegen, darunter auch Zivilisten.
Maduro und seine Frau Cilia Flores sind nach ihrer Entführung im Metropolitan Detention Center in New York City untergebracht worden. Am Montagmittag Ortszeit soll Maduro dort einem Bundesgericht vorgeführt werden. Die Ankläger werfen ihm vor, ein Kokainhandelsnetzwerk geleitet zu haben, welches mit gewalttätigen Gruppen wie den kolumbianischen Farc-Rebellen und den mexikanischen Kartellen Sinaloa und Zetas kooperiert haben soll.
Widerspruch von Demokraten – und von MAGA?
Währenddessen kritisieren die Demokraten in den USA die Eskalation gegen Venezuela. Kommende Woche stimmt der Senat über eine Resolution ab, die es der Regierung verbieten soll, Venezuela erneut anzugreifen, ohne vorher die explizite Erlaubnis vom Kongress einzuholen. Das Vorhaben wird neben den Demokraten auch von dem libertären Republikaner und Interventionskritiker Rand Paul unterstützt.
Sollten drei weitere republikanische Abgeordnete zustimmen, würde die Resolution im Oberhaus verabschiedet werden – was nicht ausgeschlossen scheint. So hat etwa der rechtspopulistische Senator Josh Hawley aus Missouri immer wieder seine Kritik an US-Auslandseinsätzen bekundet.
Im Gros haben die republikanischen Abgeordneten Trump jedoch für seinen Angriff auf Venezuela beglückwünscht. Fragwürdiger ist dagegen die Stimmung in der MAGA-Basis, die neuen US-Auslandseinsätzen generell kritisch gegenübersteht. Gefüttert wird diese Stimmung auch durch rechte Medienleute. So kritisierte Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon die Regierung in einem Podcast für ihre unklare Linie und fragte, ob der Einsatz „eine Rückkehr zu unserem Fiasko im Irak unter Bush“ sei.
Trump will Militär nicht längerfristig in Venezuela
Noch deutlicher wurde die rechte Verschwörungsideologin Candace Owens: „Die CIA hat auf Geheiß globalistischer Psychopathen eine weitere feindliche Übernahme eines Landes inszeniert“, schrieb Owens auf X und fügte (mit der von ihr gewohnten antisemitischen Verschiebung) an: „Die Zionisten feiern jeden Regimewechsel“.
Trump und seine Leute verkaufen den Angriff auf Venezuela deshalb – auf dünner Faktenbasis – als Kampf gegen den Drogenimport und beharren auf ihrer Linie, die angeblichen US-Interessen in Lateinamerika notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Angesichts der America-first-Stimmung in seiner Anhängerschaft ist es Trump aber daran gelegen, das Militär nicht stärker und langfristig in Venezuela zu verwickeln. Und das hängt aktuell vor allem von der Führung in Caracas und Delcy Rodríguez ab.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert