Turner Prize für Nnena Kalu: Durchbruch durch eine zähe Glasdecke
Sie zeichnet energetische Ellipsen oder setzt riesige, gewundene Knollen in den Raum: Die neurodiverse Künstlerin Nnena Kalu erhält den Turner Prize 2025.
Foto: James Speakman ap PA
Die Künstlerin Nnena Kalu wurde am Dienstagabend im nordenglischen Bradford mit dem Turner Prize ausgezeichnet. Die mit 25.000 Pfund (rund 30.000 Euro) dotierte Auszeichnung gehört zu den wichtigsten Preisen in der internationalen Kunstwelt. Kalus Werke seien „mutig“ und „unwiderstehlich“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Die 59 Jahre alte, in Glasgow geborene Tochter nigerianischer Eltern und heutige Londonerin schreibt Geschichte. Sie ist die erste neurodiverse Künstlerin mit Lernstörungen, die den Preis gewann.
Kalu ist autistisch, verbal kann sie nur begrenzt kommunizieren. Mit der Hilfe der Wohltätigkeitsorganisation „Action Space“, die neurodiverse Künstler:innen unterstützt, stellt Kalu seit 26 Jahren rhythmische Zeichnungen und textile Skulpturen her, die einen klar erkennbaren eigenen Stil zeigen.
In den letzten Jahren sind es vor allem elliptische Kreismuster auf großformatigen Blättern und raumgreifende knollige Figuren aus vielfach gewundenen und gebundenen Stoffen, aus Textilbändern, Schnüren oder gar VHS-Videobändern.
Kalus Auszeichnung würde eine „sehr zähe Glasdecke“ durchbrechen, meinte die künstlerische Assistentin Charlotte Hollinshead, die mit Kalu seit 1999 zusammenarbeitet. Der Direktor der Tate Britain und Juryvorsitzende des Turner Prize, Alex Farquharson, wiederum sieht darin den Anfang, die Grenzen zwischen neurotypischen und neurodiversen Künstler:innen aufzuheben.
Früher wäre Kalu der Erfolg im Kunstbetrieb verwehrt geblieben. Dabei unterstrich Farquharson, dass es der Jury jedoch vor allem um die Qualität von Kalus Werken ging.
Drei weitere Künstler:innen waren für den Turner Prize 2025 nominiert: Rene Matić, Zadie Xa und Mohammed Sami. Sie alle beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit Fragen der Identität. Sie erhielten jeweils 10.000 Pfund.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert