Trumps Corona-Politik: Ein Albtraum

US-Präsident Trump hat seinen Tonfall dem Ernst der Lage angepasst. Sein Misstrauen gegen Wissenschaft bleibt.

Ein Rotekreuzschiff fährt an der Freiheitsstatue vorbei.

Corona-Hotspot New York: Das schwimmende Krankenhaus USNS Comfort erreicht sein Ziel Foto: Mike Segar/reuters

Es ist inzwischen müßig, sich noch darüber aufzuregen, wie Donald Trump viele Wochen lang die Gefahr des Coronavirus heruntergespielt hat. Jede*r hat die Zitate des US-Präsidenten tausendmal gehört, vom „chinesischen Virus“, der „vollständig unter Kontrolle“ sei, nicht gefährlicher sei als eine Grippe und bald „wie durch ein Wunder“ wieder verschwinden werde. Und vor allem von dem „hervorragenden Job“, den seine Regierung bei der Bekämpfung der Pandemie mache.

Im Ergebnis haben die USA heute die höchsten Infiziertenzahlen der Welt; sie haben jetzt schon mehr Tote zu beklagen als China. Und am Montag erklärte das Weiße Haus, es rechne mit Todeszahlen zwischen 100.000 und 240.000 in den nächsten Wochen und Monaten – und auch das sei dem „guten Job“ der Regierung zu verdanken, anderenfalls wären es mehrere Millionen.

Krisenzeiten sind Zeiten der Exekutive, nicht nur in den USA. Je besser staatliche Strukturen funktionieren, desto mehr kann ein Regierungschef glänzen, auf dessen Urteilsvermögen zu ihrem Schutz Bevölkerungen hoffen. Aber die USA werden von jemandem regiert, der mit dem Ziel angetreten war, genau diese Strukturen zu zerstören, der von tiefem Misstrauen gegen die Wissenschaft geprägt ist und zudem über ein mehr als beschränktes Allgemeinwissen und eine nur minimale intellektuelle Auffassungsgabe verfügt.

Und der trifft dann auf ein nahezu ausschließlich auf Profit ausgelegtes Gesundheitssystem und eine nationale Katastrophenschutzbehörde, die nicht einmal annähernd in der Lage ist, auf Notsituationen in mehr als zwei, drei Bundesstaaten gleichzeitig zu reagieren. Die Folge ist ein Albtraum, von dem gerade erst die Anfänge sichtbar sind.

Trump hat seit ein paar Tagen seinen Tonfall dem Ernst der Lage angepasst und lügt seine Verweigerungshaltung der letzten Wochen einfach weg. Politisch kann er damit sogar durchkommen. Aber seine angestrebte Wiederwahl im November werden auch Hunderttausende seiner gehirngewaschenen Anhänger*innen nicht mehr erleben. Eine Tragödie.

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Jahrgang 1965, Nicaragua-Aktivist in den 80ern, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft. In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org

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