True-Crime-Doku: Durch dick und dünn
Der Verlobte wahrt ein dunkles Geheimnis. „Should I Marry a Murderer?“ zeigt, wie blind Liebe macht.
„Alle Menschen machen Fehler, und die meisten kommen davon“, findet Alexander „Sandy“ McKellar. Doch gehört auch er zu diesen Glücklichen?
McKellar, Jäger und Landwirt aus Wales, lebt allein auf einer Farm. Über Tinder lernt er die Rechtsmedizinerin Caroline Muirhead kennen. Sie sind verknallt wie zwei Teenager, verbringen Wochenenden zwischen grünen Hügeln und plätschernden Bächen. Muirhead mag seine lustige Art, sie singen im Auto, er bringt ihr schießen bei.
Doch nicht alles ist perfekt. Wenn er trinkt, „überkommt ihn eine Dunkelheit“, sagt Muirhead. Doch sie sieht ihren Freund die meiste Zeit durch eine rosarote Brille. Nach einer schmerzhaften Trennung darf sie endlich so sein, wie sie ist. Nach zwei Monaten folgen der Antrag und ein Gespräch, das ihr Leben verändert. Denn bei McKellars Fehler handelt es sich um keine Kleinigkeit.
Alle Red Flags übersehen
Die True-Crime-Doku „Should I Marry a Murderer?“ erzählt in drei Teilen, wie Muirhead zur Kronzeugin in einem mutmaßlichen Mordfall wird und gegen ihren Verlobten aussagt. Die Protagonistin schildert in der Doku eindringlich, wie sie „jegliche Red Flags“ ignorierte und wie sich ihr Leben innerhalb von einem Abend um 180 Grad drehte.
Die Doku lebt von ihren sehr nahbaren Erzählungen. Muirhead wirkt sympathisch; wenn sie lacht, ist es ansteckend. Wenn sie von ihrer Sehnsucht nach wahrer Liebe spricht, fühlt man mit. Herzzerreißend schön sind die Szenen aus Schottland, wenn eine Drohne über die grünen Hügel fliegt und das Setting für das Drama setzt.
„Should I Marry a Murderer“,
drei Folgen auf Netflix
True-Crime-Formate leben von emotionalen Geschichten, oft nähren sie sich jedoch an den Gräueln der Täter. Doch „Should I Marry a Murderer“ schafft es, spannungsgeladen, und gleichzeitig voller Empathie eine Geschichte zu erzählen, die von Vertrauensverlust und dem Kampf erzählt, das moralisch Richtige zu tun.
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