Treffen von Israel und Libanon: Gespräche ohne greifbares Ergebnis und dennoch wichtig
Das erste offizielle Treffen zwischen israelischen und libanesischen Vertretern auf politischer Ebene ist konstruktiv verlaufen. Weitere Gespräche sollen folgen.
rtr | Die ersten offiziellen bilateralen Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sind am Dienstag ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Bei dem von US-Außenminister Marco Rubio in Washington ausgerichteten Treffen prallten die gegensätzlichen Interessen der beiden Nachbarstaaten aufeinander. Während die libanesische Seite bislang auf eine Waffenruhe pochte, schloss Israel dies bisher aus und forderte die Entwaffnung der pro-iranischen Hisbollah-Miliz.
Das US-Außenministerium sprach dennoch von einem „historischen Meilenstein“. Der israelische Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, zeigte sich nach dem mehr als zweistündigen Treffen zuversichtlich. Die libanesische Regierung habe deutlich gemacht, dass sie sich nicht länger von der Hisbollah „besetzen“ lassen wolle, sagte er. Ob Israel im Gegenzug seine Angriffe auf das Nachbarland einstellen werde, ließ er offen.
Die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh bezeichnete das Auftakttreffen als konstruktiv. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte sie, sie habe bei der Zusammenkunft eine Feuerpause, die Rückkehr der Vertriebenen sowie Maßnahmen zur Linderung der humanitären Krise im Libanon gefordert. Der libanesische Präsident Joseph Aoun äußerte auf der Kurznachrichtenplattform X die Hoffnung, dass das Treffen den Anfang vom Ende des Leidens der libanesischen Bevölkerung markiere.
Von einer gemeinsamen Basis kann nicht die Rede sein
Das US-Außenministerium teilte mit, beide Seiten hätten „produktive Gespräche über Schritte zur Aufnahme direkter Verhandlungen“ geführt. In der Erklärung wurden die jeweiligen Positionen dargelegt, von einer gemeinsamen Basis war jedoch nicht die Rede. „Alle Seiten kamen überein, zu einem beiderseits vereinbarten Zeitpunkt und an einem beiderseits vereinbarten Ort direkte Verhandlungen aufzunehmen“, hieß es in der Mitteilung weiter.
Nach dem Treffen in Washington forderte eine Gruppe von zehn Ländern „ein unverzügliches Ende der Kampfhandlungen im Libanon“. Kanada, Großbritannien, die Schweiz und sieben weitere Staaten begrüßten in einer Mitteilung die jüngst zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe. Aber auch im Libanon müssten nun die Waffen schweigen.
Staaten besorgt über humanitäre Lage im Libanon
Das Treffen in Washington kam auf Druck von US-Präsident Donald Trump zustande. Er hatte Israel dazu gedrängt, die Angriffe im Libanon zu reduzieren, um die erst eine Woche alte und fragile Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran nicht zu gefährden. Denn der Iran pocht darauf, dass der Libanon in die Feuerpause mit einbezogen wird. Der Konflikt hatte am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran begonnen und zur größten Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte geführt.
Am 2. März hatte die Hisbollah zur Unterstützung Teherans das Feuer eröffnet. Die darauffolgende israelische Offensive kostete nach libanesischen Angaben mehr als 2.000 Menschen das Leben und zwang 1,2 Millionen in die Flucht.
Die libanesische Regierung hatte den militärischen Arm der Hisbollah im vergangenen Monat verboten und sich trotz des Widerstands der Miliz für Verhandlungen mit Israel ausgesprochen.
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