Traditionszeitung „La Repubblica“: Griechischer Mogul Kyriakou greift zu
Der griechische Medienkonzern will sein Portfolio im Ausland erweitern. Die italienische Traditionszeitung „La Repubblica“ ist nun Teil der K Group.
Die griechische K Group hat am Montag die Übernahme des italienischen Medienkonzerns Gedi bekanntgegeben. Zu dem Unternehmen gehören das traditionsreiche Blatt La Repubblica, ferner die Radiosender Radio Deejay, Radio Capital und m2o sowie HuffPost Italia, National Geographic Italia, das Magazin Limes und die in Mailand ansässige Werbeagentur A. Manzoni & C.
Bisher gehörte Gedi der italienische Fiat-Familie Agnelli. Die Unternehmerfamilie war bereits seit Herbst in Gesprächen über einen möglichen Verkauf des Konzerns.
Die Turiner Tageszeitung La Stampa, neben La Repubblica aus Rom bisher das zweite Flagschiff der Printmedien im Gedi-Portfolio, geht hingegen an die italienische SAE-Gruppe unter der Leitung von Alberto Leonardis, einem Manager aus den Abruzzen.
Beobachter beziffern den Kaufpreis für Gedi auf rund 100 Millionen Euro. Immerhin, könnte man sagen. Denn das Unternehmen schrieb maßgeblich ob seiner dramatisch schrumpfenden Printmarken seit Jahren rote Zahlen. Die Verluste betragen seit 2019 in Summe rund 360 Millionen Euro, deutlich mehr als der im freien Fall befindliche Umsatz von 224 Millionen Euro für 2024. La Repubblica dümpelte zuletzt mit einer Auflage von nur noch etwa 100.000 Stück in Richtung Ruin.
Kontrolle in mehreren Sektoren
Dem Niedergang wollten die Agnellis nicht mehr tatenlos zusehen. Der Italo-Clan ist aus dem Verlagswesen nun raus, die K Group einer Oligarchenfamilie aus Athen dafür fortan voll drin. „K“ steht für den Familiennamen Kyriakou.
Mit ihrer K Group kontrollieren die Geschwister Theodoros, Xenofon und Athina Kyriakou insgesamt 89 Firmen in aller Welt, wie die Athener Investigativplattform Solomon im Oktober 2024 ermittelte.
Darunter sind Firmen aus der Medienbranche, dem Finanzsektor, der Schifffahrt, aus Immobilien-, Transport- und Handelssektor. Das Kyriakou-Firmenimperium ist über gleich zehn Länder verstreut, darunter die Niederlande, Hellas, Zypern, die Marshallinseln, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Guernsey, Malta sowie Liberia.
Grundlage für den Aufstieg der Kyriakou-Familie bildete die Schifffahrt, mit der man in Griechenland dank der per Verfassung garantierten Steuerbefreiungen sehr reich werden kann. Schon Opa Xenofon Kyriakou war Reeder, hatte aber nur vier Schiffe. Ihm folgte sein Sohn Minos Kyriakou. Schon früh avancierte er zum Medienzar: 1987 gründete er hierzulande den Radiosender Antenna, 1989 folgte der gleichnamige TV-Sender, der rasch zum hiesigen Marktführer avancierte und zudem Millionen Auslandsgriechen erreicht.
Einfluss im Ausland
Zur Kyriakou-Gruppe zählen inzwischen der hiesige Musiksender Easy, die Plattenfirma Heaven, eine Kinokette, eine Journalistenschule sowie mehrere TV- und Radiosender in Rumänien. Seine Kinder traten in seine Fußstapfen. Der 52-jährige Theodoros Kyriakou, nunmehr Kopf der Dynastie, verfolgt eine Doppelstrategie: 2022 stieg der saudische Konzern MBC mit 225 Millionen Euro bei Antenna ein, auch der institutionelle Investor Fairfax Financial machte Geld für das Kyriakou-Medium locker.
So schwimmt Kyriakou in Geld, das der Dealmaker aggressiv im Ausland investiert. Schon früh investierte Kyriakou in Technologiegiganten wie Facebook, Twitter und Spotify. Die Rolle der Medien versteht der umtriebige Grieche dabei als Instrument der Einflussnahme und Vernetzung auf globaler Ebene.
Nun folgt also der Schritt nach Italien. Kyriakou hat mit Gedi jedenfalls eine Menge vor. Die Radiosender sollen ausgebaut werden und mit dem übrigen Angebot der K Group künftig einen Radioknotenpunkt in Süd- und Osteuropa bilden. Obendrein planen die Griechen den Ausbau von Streamingplattformen und Podcasts sowie die Produktion von Dokumentarfilmen. Bliebe die Frage, was mit dem Sorgenkind La Repubblica geschieht.
Man wolle mit neuen Investitionen das Blatt auf Vordermann bringen, dessen Präsenz auf neue Märkte ausweiten und die preisgekrönte journalistische Arbeit ihrer Redakteure hervorheben, wird in Athen dazu versichert. Entlassungen seien keine geplant, beruhigen die neuen Eigentümer aus Griechenland die Gemüter in den Redaktionsstuben. Mario Orfeo bleibe zudem Chefredakteur. So soll ein abrupter Bruch mit der journalistischen Identität der Gedi-Kernmarke tunlichst vermieden werden.
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