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Tokio und Tianjin empfangen ModiWenn Japan Kredite gibt und China wieder näherrückt

Nach der Konfrontation mit Trump hat sich der indische Premierminister auf eine Reise zu den asiatischen Nachbarn begeben. Dem Druck aus den USA will er nicht nachgeben.

Eugene Hoshiko/dpa Foto: Narendra Modi sucht Verbündete

Mumbai taz | Der Tokioter Fernsehturm strahlte in Safran, Weiß und Grün – ein Gruß an den indischen Premierminister Narendra Modi, der am Freitag in Japan eintraf. Modi besuchte das Land für zwei Tage, um die strategische Partnerschaft zu stärken. Gemeinsam mit seinem japanischen Amtskollegen Shigeru Ishiba präsentierte er einen Plan zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen, der zahlreiche Abkommen umfasst. Beide Wirtschaftsmächte wollen enger zusammenrücken und Milliarden investieren, etwa in Künstliche Intelligenz, Hightech-Projekte wie Halbleiter und Hochgeschwindigkeitszüge. Das indische Außenministerium erklärte, dass Sicherheit, Forschung, digitale Partnerschaften und Umwelt im Fokus der Gespräche standen.

Die Weltraumagenturen ISRO und JAXA planen eine gemeinsame Mission zu den Mondpolen. Zudem unterzeichneten beide Länder eine Absichtserklärung zu „sauberem Wasserstoff“ sowie zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie. Eine der wichtigsten Ankündigungen: Japan will in den nächsten zehn Jahren rund 68 Milliarden US-Dollar in Indien investieren – doppelt so viel wie zwischen 2022 und 2026. „Dieser Besuch in Japan wird wegen seiner Ergebnisse, die den Menschen unserer Nationen zugutekommen werden, in Erinnerung bleiben“, äußerte sich Modi. Indien und Japan würden das asiatische Jahrhundert prägen.

Modi trotzt Druck aus den USA

Angesichts der seit wenigen Tagen geltenden US-Zölle über 50 Prozent auf indische Einfuhren wie Textilien, Stahl oder Maschinen sucht Indien engeren Schulterschluss mit Japan. Es intensiviert die Zusammenarbeit und setzt auf gemeinsame Interessen wie Stabilität im indopazifischen Raum. Dem Druck aus Washington, russisches Öl zu meiden und den indischen Markt großzügig für US-Agrarprodukte zu öffnen, wollte sich Indien nicht beugen.

Am Samstag reiste der 74-jährige Premier weiter nach China, um am Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) teilzunehmen. Dort wurde er mit rotem Teppich empfangen. Seine Zusage kam überraschend, war nach der Konfrontation zwischen Modi und US-Präsident Donald Trump jedoch ein taktischer Zug.

Die Beziehungen zwischen Indien und China hatten nach einem Grenzkonflikt 2020 einen Tiefpunkt erreicht. Jahrelang gab es keine Direktflüge. Be­ob­ach­te­r:in­nen vermuten, dass der „Trump-Faktor“ Modi motiviert, die Beziehungen zu verbessern. Eine Aufhebung des Verbots zahlreicher chinesischer Apps in Indien könnte bevorstehen. China soll Exportblockaden, etwa auf seltene Rohstoffe, lockern.

Beim SOZ-Gipfel in Tianjin wird Modi voraussichtlich Chinas Präsident Xi Jinping persönlich treffen – ein diplomatisches Signal nach über sieben Jahren ohne Amtsbesuch. Auch ein Treffen mit Wladimir Putin steht wohl an. Washington rechtfertigt die hohen Strafzölle auf indische Produkte mit Indiens Nähe zu Russland, die auf die Sowjetzeit zurückgeht. Zuletzt hatten sich Putin, Xi und Modi 2024 im russischen Kasan getroffen.

In Japan konnte Modi punkten. Er versteht es, sich auf internationaler Bühne zu inszenieren. Tokio und Delhi positionieren sich eigentlich als Gegengewicht zu Chinas Einfluss, etwa durch die QUAD-Allianz mit den USA und Australien. Ob dies unter Trump Bestand hat, ist ungewiss. Indien könnte versuchen, sich neu auszurichten. Schon vor der Pandemie suchte Modi die Nähe zu Xi. Der indische Analyst Brahma Chellaney sieht den Zeitpunkt des letzten Teils der Reise jedoch kritisch, da Indien seiner Meinung nach in einer „geschwächten Position“ antritt.

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