Todesurteil im Iran: Erneut Hinrichtung wegen Beteiligung an Massenprotesten
Der am Sonntag Hingerichtete soll an den Demonstrationen im Januar teilgenommen haben. Im Iran wurden im vergangenen Jahr mindestens 1.639 Menschen exekutiert.
Foto: Boris Roessler/dpa
afp/dpa/taz | Im Iran ist erneut ein Mann hingerichtet worden, der wegen seiner Beteiligung an den regierungskritischen Protesten im Januar zum Tode verurteilt worden war. Madschid Adineh habe an „operativen Aktivitäten“ zur Unterstützung Israels und der USA teilgenommen, teilte die iranische Justiz am Sonntag auf ihrer Website Misan Online mit.
Er sei zudem wegen „Kriegsführung gegen Gott“, Brandstiftung, Versammlung und Verabredung zur Begehung von Straftaten gegen die innere Sicherheit des Landes schuldig gesprochen worden. Das Todesurteil sei am Sonntagmorgen vollstreckt worden, berichtete Misan.
Adineh und ein weiterer Verdächtiger waren den Angaben zufolge am 9. Januar in der Provinz Albors westlich der Hauptstadt Teheran festgenommen worden. Sie hatten demnach „einen Revolver, Munition, zwei Taser, zwei Tränengaskanister, eine Akku-Kettensäge und eine Flasche Benzin“ dabei.
Auf der Grundlage „zahlreicher“ Beweise sowie der Aussagen des Angeklagten im Prozess habe das Revolutionsgericht der Stadt Karadsch Adineh zum Tode verurteilt und eine Beschlagnahmung seines gesamten Vermögens angeordnet, erklärte die Justiz. Nach einer Bestätigung des Urteils durch das Oberste Gericht sei das Todesurteil am Sonntagmorgen vollstreckt worden.
Ende Dezember hatten sich Proteste wegen der schlechten Wirtschaftslage im Iran zu Massenprotesten gegen die Führung in Teheran ausgeweitet, die am 8. und 9. Januar ihren Höhepunkt erreichten. Menschenrechtsorganisationen im Ausland sprachen von einer staatlichen Niederschlagung der Proteste mit tausenden Toten. Auch Augenzeug:innen bestätigten das der taz. Oppositionelle sprachen damals von 12.000 Toten. Teheran räumte danach ein, dass es mehr als 3.000 Tote gegeben habe, und führte die Gewalt auf von den USA und Israel gesteuerte „Terrorakte“ zurück.
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen ist der Iran nach China das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen und der französischen Organisation Gemeinsam gegen die Todesstrafe (ECPM) wurden im Iran 2025 mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 1989 nicht mehr. Seit Beginn des Iran-Kriegs, der Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels begonnen hatte, hat die Zahl der Hinrichtungen weiter zugenommen, insbesondere im Zusammenhang mit den Protesten.
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