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Thriller „In the Hand of Dante“Paradies ist schwer

In Julian Schnabels mystischem Thriller gehen ein Dichter und ein Killer durch Dantes Hölle – und wären besser dort geblieben. Denn danach wirds wirr.

Es geht gut los. Der historische Dante, sein Manuskript in der Hand, steigt eine Treppe hinauf. Zu diesem Filmmotiv gibt es konkrete Verse aus Dantes Großgedicht „Komödie“, das erst von den Nachgeborenen die Beifügung „Göttliche“ zugesprochen bekam.

Wie hart es nämlich ist, heißt es dort, das Auf- und Absteigen über fremde Treppen; also auf solchen, die nicht zum eigenen Haus gehören, weil man ein eigenes Heim nicht hat. Und warum steigt man hoch, als wer? Als Exilierter, als ewiger Bittsteller. Und wie steigt man hinunter? Abgewiesen, abgespeist, beschenkt vielleicht – aber jedenfalls beschämt. Das ist Dantes Leben, nachdem er als Verlierer im Bürgerkrieg 1302 seine Heimat Florenz für immer verlassen musste.

Schnitt, ein auch konkretes Bild, der schwadronierende besoffene Dichter (Oscar Isaac vielleicht immer einen Ticken zu druff. Er spielt in den historischen Szenen auch Dante) in einer Kneipe in New Jersey 1998. Der Mann hat als Schriftsteller fertig – da übersetzt man schon mal was, und warum, wenn der Größenwahn das einzige ist, was einem noch bleibt, nicht gleich die „Göttliche Komödie“. Sein Gegenüber, ein kleiner Gangster, fragt irgendwann, all das Großsprecherische blitzartig erdend: „Wer ist Dante?“

Der Film

„In the Hand of Dante“, bei Netflix. Mit Oscar Isaac, Gerard Butler, Gal Gadot, John Malkovich, Sabrina Impacciatore, Franco Nero und Martin Scorsese

Im Plot von „In the Hand of Dante“, einem mystischen Thriller von Julian Schnabel, der letztes Jahr in Venedig Premiere hatte und nun auf Netflix läuft, ist die Antwort erst mal eindeutig: Dante ist Geld.

Job ist Job

Ein US-Mafiaboss (sehr routiniert: John Malkovich) wurde darauf hingewiesen, dass es in Palermo ein mittelalterliches Originalmanuskript der „Komödie“ zu rauben gibt. Neben einem Killer Louie (hammerhart herausragend gespielt von Gerard Butler) wird der spezialisierte Schriftsteller engagiert. Er soll vor Ort das Manuskript prüfen, damit sich all das Morden auch lohnt, denn Louie sagt nicht umsonst: „It’s not that I enjoy doing this shit.“

Aber Job ist Job. In ihrer hämmernden Heftigkeit und bizarren Bösartigkeit ist die Blutspur, die Louie und der Dichter hinter sich herziehen, sehr unterhaltsam zu betrachten – ab 16. Dann ist das Manuskript endlich in den Staaten; aber damit ist seine Echtheit ja noch nicht bewiesen.

Es muss zertifiziert werden, durch Wasserzeichen und Tintenabgleiche, von Experten. Eine Art Reinigung, ein Fegefeuer eben, wie der zweite Teil von Dantes Gedicht betitelt ist, das – nur zur Erinnerung – eine Reise des Dichters durch Hölle, Fegefeuer und Paradies zum Inhalt hat.

Bei diesem Teil bleibt man noch am Ball, auch wenn Louies Ausscheiden als Begleiter der Sache schon den Drive etwas nimmt. Doch dann, man ahnt es, wird es immer schwieriger, schwurbeliger, dem Plot zu folgen.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Dante ja nicht umsonst als Dichter der Hölle berühmt wurde und nicht als der der idyllischen Erlösung. Letztere ist halt ein verdammt schwieriges Genre – was soll man vom Paradies schon zeigen und erzählen, als dass glückselige Menschen in wehenden Gewändern in himmlisch anmutenden Gefilden wandeln und sich beseelt anlächeln?

Wahrscheinlich nennt man einen solchen Film 'überfrachtet'. Die in Farbe gedrehten historischen Szenen lassen fast durch weg kalt. Dantes Gedicht, das eine Vision war – der Mann sah sich als Prophet –, ist am Ende doch zu groß für einen Film. Was man auch tröstlich finden kann.

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