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Theresa Hannig Über MorgenDonald Trump wird plötzlich Klimaschützer und eine Maus fliegt zum Mond. 2026 hält zahlreiche Überraschungen bereit

Foto: privat

Da ist es also, das frisch gebackene Jahr 2026. Noch so jung und doch ruhen schon so viele Erwartungen auf ihm. Obacht, dass wir es nicht überfordern! Ich blicke optimistisch auf das Jahr, denn am Neujahrstag nimmt es mein Freund Felix aus der Zukunft mit den Gesetzen für Zeitreisende nicht so ganz genau und gibt mir einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommt.

„Offenbar keine Buttersemmeln und Bier“, sagt er hörbar enttäuscht mit Blick auf meine bereitgestellten Gemüsesticks.

„Dry January mit Vitaminboost!“, erkläre ich.

„Na gut. Bald nach dem Januar beginnt jedenfalls schon der Frühling. Im Februar steigen die Temperaturen auf 26 Grad. Der Rosenmontagszug in Köln lockt so viele Besucher an, dass die Innenstadt gesperrt werden muss. Die feierwütigen Menschen campieren daraufhin über zwei Wochen für eine Nonstop-Party entlang des Rheins, was dazu führt, dass der Fluss in dieser Zeit einen Alkoholgehalt von 0,2 Promille aufweist. Das Karnevalslied: ‚Dat Kölsch es so joot, dat kannste glatt zweimol drinke‘ ist seitdem von keiner Party-Playlist mehr wegzudenken.“

„Sind das gute Nachrichten?“

„Klar, meine Großeltern haben sich auf dieser Party kennengelernt!“

„Ok … dann weiter.“

„Am Freitag vor der Osterpause stellt eine fraktionsübergreifende Gruppe aus Grünen, SPD und Linken im Bundestag den Antrag auf Ausschluss der AfD von der staatlichen Parteienfinanzierung. Sie bekommen die Mehrheit, weil die meisten Unionsabgeordneten schon in den Osterurlaub abgereist sind. In der Folge bleibt die AfD bei den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Im April schickt die Nasa endlich wieder Menschen zum Mond. In Erinnerung bleibt die Artemis-Mission aber vor allem wegen einer Maus, die sich trotz aller Sicherheitsvorkehrungen in die Isolation der Raumkapsel eingenistet hat und während der Live-Übertragung der Mondlandung durchs Bild schwebt.

Im Juni kommt es bei der Fußball-WM in Mexiko-Stadt zum Eklat. Donald Trump wird bei der Eröffnung im Estadio Azteca so heftig ausgebuht und mit Essen beworfen, dass er das Stadion aus Sicherheitsgründen verlassen muss. Von diesem Tag an ändert sich die Politik der USA vollständig. Zölle werden aufgehoben, die Abschiebepolizei ICE aufgelöst, Umweltschutz und Demokratieförderung werden gepusht. Erst Jahre später wird bei der Obduktion festgestellt, dass es sich beim Leichnam des 47. Präsidenten nicht um Donald J. Trump handelt, sondern um den 1950 in Monterrey geborenen Bauingenieur José Martínez García, der vom Secret Service bei der Flucht aus dem Stadion offenbar mit Trump verwechselt wurde.“

„Das ist ja großartig“, sage ich. Aber Felix nimmt sich nur einen Gemüsestick. Er ist noch nicht fertig.

Im Herbst platzt die KI-Blase, freie Energie fließt in Elektromobilität

„Im Herbst platzt in den USA die KI-Blase und sorgt nicht nur für ein Ende des Hypes, sondern auch dafür, dass bereits geplante und genehmigte Energie- und Netzkapazitäten für Rechenzentren in dynamische Speicher, Ladeinfrastruktur und Elektromobilität umgelenkt werden. Der drohende Finanzschock wird zu einem Infrastrukturboom, der die weltweite Elektromobilität vorantreibt.

Als im Dezember zum ersten Mal der Klimanobelpreis verliehen wird, bricht zeitgleich der Vulkan Teide auf Teneriffa aus. Die ausgeworfene Asche verteilt sich in der Stratosphäre und sorgt auf der Nordhalbkugel für einen abrupten Temperaturabfall. Der schwarze Schnee sorgt endlich dafür, dass weiße Sneaker wieder aus der Mode kommen.“

Theresa Hannig, 41, ist Science-Fiction-Autorin, Politikwissenschaftlerin, Grünen-Stadträtin und ehemalige Softwareentwicklerin.

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