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Tag der offenen Rechenzentren„Es gibt einen Schrank und da sitzt ein Computer drin“

Der Energiehunger der Rechenzentren ist riesig und sie sind meist ziemlich klimaschädlich. Frischluft kann eine Lösung sein, sagt Informatiker Tim Evers.

Interview von

Wilfried Hippen

taz: Herr Evers, warum lohnt es sich, zum Tag der offenen Rechenzentren ihr Rechenzentrum zu besuchen?

Tim Evers: Man sieht zum Beispiel, dass die Cloud auch nur die Computer anderer Leute sind. Und man kann sehen, wie sich unser Computer von denen unterscheiden, die man zu Hause auf dem Schreibtisch stehen hat.

taz: Sind wir nicht irgendwie alle Kun­den*­in­nen bei Ihnen?

Evers: Letzten Endes ja, denn es wird heutzutage kaum noch Menschen geben, die nicht in irgendeiner Form etwas nutzen, das in einem Rechenzentrum stattfindet.

Im Interview: Tim Evers

Jahrgang 1973, studierte Informatik an der Universität und gründete 2001 die Artfiles New Media GmbH in Hamburg. Seitdem ist er Geschäftsführer von Artfiles mit den Schwerpunkten Softwareentwicklung und Systemdesign.

taz: Und wie sieht Ihr direkter Kundenkreis aus?

Evers: Da ist das Spektrum sehr weit. Das geht von einer kleinen Hobbyseite bis zu einem großen Onlineshop-Anbieter, von Onlinespielen zu Anbietern von Cloud-Diensten, die ihrerseits Storage für E-Mails und Softwareservice verkaufen.

taz: Entspricht Ihr Rechenzentrum dem Klischee von einer großen, abgeschirmten Anlage auf dem Land?

Evers: Nein, wir sind ein relativ kleines Rechenzentrum, und das hat wenig damit zu tun, wenn Amazon oder OpenAI irgendwo auf der grünen Wiese riesige Hallen errichten und da 500 Megawatt an Strom verbrauchen. Das sind zwar beides Rechenzentren, sie unterscheiden sich aber fundamental.

taz: Und wie viel Strom fressen Sie im Vergleich?

Evers: Wir verbrauchen knapp unter einem Megawatt im Jahr. Das entspricht fast 500 Haushalten.

taz: Auch das ist ja nicht wenig.

Evers: Darum versuchen wir, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Wir nutzen etwa Ökostrom, aber das hat sich in unserem Bereich des Marktes schon lange durchgesetzt. Viel wichtiger ist es aus unserer Perspektive, möglichst viel Strom zu sparen.

taz: Und gelingt Ihnen das?

Evers: Einen großen Teil der Energie verbraucht die Kühlung durch Klimaanlagen. Da haben wir aber schon vor ein paar Jahren einen großen Schritt gemacht und beziehen meistens einfach frische Luft von draußen. In neun bis zehn Monaten des Jahres kann man so auf die sehr aufwendige Kühlung verzichten.

taz: Und wie sieht es mit der Nutzung der Abwärme aus?

Evers: Abgesehen davon, das man die Wärme für das Gebäude selber nutzt, ist es schwierig. Unsere Abwärme ist etwa 35 Grad warm. Damit kann man kein Fernwärmenetz beliefern, denn für die muss die Abwärme 80 bis 90 Grad haben. Wir müssten sie also noch einmal durch eine Wärmepumpe schicken, die dann auch wieder Strom verbrauchen würde.

taz: Ist ein Stromausfall die größte Bedrohung für ein Rechenzentrum?

Evers: Das haben wir schon erlebt, und das ist gar nicht so lange her. Da war der Strom stadtseitig für ein paar Stunden weg. Da wurde dann automatisch auf das Notstromaggregat umgeschaltet. Die Energie dafür kommt von einer Batterie, die nur für die 20 Sekunden zuständig ist, bis dann der Diesel läuft.

Tag der Rechenzentren

Am Tag der offenen Rechenzentren, 6. 11., nehmen in Hamburg das RZ Wendenstraße 408, das RZ Vierenkamp 1, das RZ Grasweg 62 und das RZ Victoriapark teil, in Hannover das Grass-Merkur RZ Rothwiese 5

taz: Und wie lange kann der Diesel laufen?

Evers: So lange, wie es Diesel gibt, denn den tankt man einfach nach.

taz: Wenn selbst solche Abläufe bei Ihnen automatisiert sind, wie viele Menschen arbeiten dann überhaupt in Ihrem Rechenzentrum?

Evers: Zurzeit sind es fünf Leute, und das ist schon relativ viel. Sie sind vor allem für die Wartung, die Koordination von externen Dienstleistern sowie für kleinere Arbeiten für die Kundschaft zuständig.

taz: Wie sieht es denn nun genau in Ihrem Rechenzentrum aus?

Evers: Bei uns stehen etwa 120 Serverschränke auf um die 600 Quadratmeter. Das sind Schränke aus Metall, die etwa zwei Meter hoch sind. Da kommt dann von oben das Internet, von unten der Strom sowie von der Seite die kalte Luft. Und das war es dann auch schon.

taz: Sie können also Ihren Kun­d*in­nen genau zeigen, wo ihr Schrank oder ihre Schränke stehen?

Evers: Ja, und das finden die Leute auch immer am faszinierendsten: Bei dem sehr abstrakten Bild vom Internet und der Cloud gibt es einen Schrank und da sitzt ein Computer drin und auf diesem Computer in diesem Rechenzentrum läuft in diesem Moment meine kleine Webseite.

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