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Umstrittenes israelisches BauprojektProbe aufs Exempel

Kommentar von

Susanne Knaul

Seit 30 Jahren liegen die Baupläne für die Siedlung Mevasseret Adumim im Westjordanland auf Eis. Dort sollten sie unbedingt bleiben.

Blick auf die Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland zwischen Jerusalem und dem Toten Meer (20. August 2025) Foto: Atef Safadi/epa

D er Moment ist günstig, so mag Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu denken, um den international umstrittensten aller Siedlungsbaupläne voranzutreiben. Schließlich ist die Weltöffentlichkeit aktuell anderweitig beschäftigt, mit Venezuela, Grönland, Perspektiven für die Ukraine. E1 (East 1) heißt das Gelände im Westjordanland, auf dem gut 3.000 neue Wohneinheiten entstehen sollen. Seit Anfang der Woche läuft die Ausschreibung. Geplant ist die unmittelbar an Ostjerusalem angrenzende Siedlung allerdings schon seit über 30 Jahren.

Dass es nie zu einer Umsetzung der Baupläne kam, ist dem Protest aus den USA und Europa zuzuschreiben. E1 oder Mevasseret Adumim, wie die Siedlung heißen soll, würde das Westjordanland in zwei Teile schneiden. Es wäre der letzte Nagel im Sarg der Zweistaatenlösung, soll Ex-US-Präsident George Bush einst gewarnt haben. Die Tatsache, dass die geplanten Neubauten „die Idee eines palästinensischen Staates beerdigen“, gibt auch Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich unverblümt zu.

Fest steht, dass die israelische Regierung mit dem seit Jahrzehnten international verurteilten Siedlungsbau die europäischen Freunde vor den Kopf stößt. Provoziert fühlen könnte sich auch US-Präsident Donald Trump, der – wie die Weltöffentlichkeit – momentan andere Prioritäten setzt als Frieden im Nahen Osten. Durchaus denkbar ist, dass die Regierung Netanjahus mit der Ausschreibung einen Versuchsballon startet, um auszutesten, wie weit sie der lästigen Kritik zum Trotz gehen kann.

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Jetzt ist der Zeitpunkt, um den Ballon platzen zu lassen. Der Protest gegen E1 hat das Projekt für 30 Jahre auf Eis gelegt. Europa und die USA haben es offensichtlich in der Hand, dass es dort liegenbleibt. Den riskanten Expansionsgelüsten der Extremisten in Netanjahus Kabinett einen Riegel vorzuschieben, ist das Gebot der Stunde. Was Israel braucht, ist kein neuer Widerstand und Gewalt, sondern ein palästinensischer Staat, an dessen Seite man in friedlicher Koexistenz lebt.

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Redakteurin Meinung
1961 in Berlin geboren und seit 2021 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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2 Kommentare

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  • In den Häusern werden Palästinenser wohnen.



    Die Alternative ist Undemokratie, Vertreibungen, Unfrieden, Ungerechtigkeit.



    Ideal kommt die Erkenntnis von innen, bevor die Realität der Unfairness die Herzen der Israelis zu einem Rassismus hin verhärtet hat.



    Das Ende der Besatzung ist ein Schlüssel zum Frieden. Möge er genutzt werden.

  • Worte sind wichtig, Frau Knaul. Ihrem Artikel kann ich weitgehend zustimmen, aber warum nennen Sie dieses kriegstreiberische, völkerrechtswidrige Vorhaben in der Überschrift "umstritten"? Das ist es nur wenn eine Seite der Diskussion aus harten, messianischen Rechtsextremen besteht und ich gehe davon aus, dass die israelische Regierung nicht Adressat Ihres Artikels ist.