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Studenten finden keine WohnungZimmer, Küche, Bonzenbude

Wenn das Studierendenleben zum Luxus wird: WG-Zimmer in Hamburg sind so teuer wie noch nie, im Schnitt 650 Euro. Jetzt will der Asta selbst bauen.

Wann gar nichts geht: Notschlafplätze für Studenten Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Elf junge Menschen sitzen im Café Knallo der Uni Hamburg auf knarrenden Holzsesseln, an den Wänden hängen Poster, der Couchtisch ist voll geklebt mit Stickern. Es ist ihr erster Tag im Studentenleben.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten stolpern sie über das, was alle Zugezogenen eint: den Horror der Wohnungssuche. Einer erzählt von einem 50-jährigen Mann mit Schäferhund, der sich nur junge Frauen als Mitbewohnerinnen wünscht. Eine andere von „kink-friendly“-Anzeigen oder WGs, in denen sich sieben Menschen ein Schlafzimmer teilen.

„Ich habe bestimmt 30 oder 40 WGs angeschrieben“, erzählt Henni, 19, und nippt an ihrer Spezi. An ihrer Hand glitzern Ringe, sie trägt kleine Creolen und einen pinken Strickpulli. Für ihr Jurastudium will sie von Tübingen nach Hamburg ziehen, gefunden hat sie bislang nichts.

Die erste Woche verbringt sie bei einer Freundin, danach zwei Monate zur Untermiete in Altona. Wie es weitergeht, ist noch offen. Damit ist sie nicht allein. Viele der Erstis schlafen vorübergehend auf Sofas oder in Hostels.

Bafög-Satz unrealistisch

Hennis Traum: eine Mädchen-WG, möglichst zentral, bis 600, vielleicht 650 Euro. Das sei ihre Schmerzgrenze, die habe sie bereits nach oben korrigiert.

Junges Wohnen ist in Hamburg so teuer wie nie: 650 Euro kostet ein WG-Zimmer im Schnitt, teilte das Moses-Mendelssohn-Institut kürzlich mit. Damit übertrifft Hamburg deutlich den Bundesschnitt von 512 Euro. Die Bafög-Wohnkostenpauschale liegt derzeit bei 380 Euro. Trotz steigender Mietpreise wurde sie nicht angepasst.

„Der Mietpreis für ein WG-Zimmer ist viel zu hoch“, sagt Lasse Machalet, Referent für Soziales im Asta der Uni Hamburg. Zwar könne das Studierendenwerk mit den Wohnheimen grundsätzlich günstigen Wohnraum bereitstellen. „Doch da sehen wir seit Jahren immer wieder dieselbe Überlastung zu Semesterbeginn: Mehr Leute fragen an, als untergebracht werden können“, erklärt Machalet.

Zu Beginn des Sommersemesters bewarben sich 1.260 Menschen auf 744 freie Plätze in den Wohnheimen, wie das Studierendenwerk Hamburg mitteilt. Bis 2030 sollen gemeinsam mit dem Studierendenwerk 3.000 neue Wohnheimplätze für Studierende entstehen, das hat die Bürgerschaft Ende vergangenen Jahres beschlossen.

Im Gustav-Radbruch-Haus muss regelmäßig ein Kammerjäger kommen.

Gleichzeitig lässt der Bestand zu wünschen übrig: „Es gibt Studierendenwohnheime in Hamburg, die dafür bekannt sind, dass es Probleme gibt mit Kakerlaken und allem möglichen“, sagt Machalet. Besonders das Gustav-Radbruch-Haus stehe immer wieder in der Kritik, dort müsse regelmäßig ein Kammerjäger kommen.

Das Studierendenwerk, welches das Gustav-Radbruch-Haus betreibt, spielt das herunter: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen dem Studierendenwerk Hamburg keine Meldungen über einen akuten Schädlingsbefall im Gustav-Radbruch-Haus vor.“

Der Asta verweist auf eine bereits geplante Sanierung. „Aber das Studierendenwerk – wie alles Mögliche hier an der Uni – hat nicht die Mittel, um da groß zu investieren“, sagt Machalet. Aufgrund des Sparkurses der Universität riet die Studierendenvertretung zuletzt sogar vom Studieren in Hamburg ab.

Jetzt will der Asta selbst ein Wohnheim bauen

Der Asta will deshalb künftig selbst aktiv werden und ein Wohnheim bauen. Seit dem vergangenen Jahr prüfe er eigene Handlungsmöglichkeiten, im Februar sei ein Gesellschaftsvertrag zur Gründung einer gemeinnützigen GmbH verabschiedet worden. Finanziert werden solle das Projekt über Direktkredite.

Als Vorbilder dienen das Mietshäuser-Syndikat und das selbstverwaltete Studierendenwohnheim Collegium Academicum in Heidelberg. Noch befindet sich das Projekt in einer frühen Planungsphase. Mit einer Umsetzung rechnet der Asta erst gegen 2032.

Zu dem Bauvorhaben äußert sich das Studierendenwerk nur vage: „Grundsätzlich begrüßt das Studierendenwerk Hamburg alle Initiativen, die dazu beitragen, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum für Studierende zu erweitern.“

Den Erstis, die gerade im Café Knallo sitzen, hilft geplanter Wohnraum wenig. Henni trinkt den letzten Schluck Spezi. „Meine Outfits gehen aus … und das in der Orientierungswoche“, erzählt sie und grinst. Gerade lebt sie aus einem Koffer. Ihre Eltern haben bereits ein Paket aus Tübingen mit Klamotten nach Altona zu ihrer Untermiete geschickt.

Sie freue sich jetzt einfach darauf, neue Leute kennenzulernen, zu studieren und Hamburg zu entdecken. Und die Wohnungssuche? Henni zuckt mit den Schultern: „Ach, das wird schon.“

Das muss es auch. Ihr erstes Semester Jura beginnt heute.

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