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Streit um Dokumentation „Elternschule“Ermittlungen gegen Klinik eingestellt

Der sogenannte Erziehungsfilm „Elternschule“ sorgte für heftige Kontroversen und mehrere Strafanzeigen. Die Staatsanwaltschaft konnte keine Straftat feststellen.

Essenstraining: Das Foto zeigt eine Szene aus der umstrittenen Doku „Eltenschule“ Foto: dpa

dpa | Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen im Zusammenhang mit der Filmdokumentation „Elternschule“ eingestellt. „In dem Film ist nichts zu sehen, was als Straftat zu werten wäre“, sagte eine Sprecherin der Essener Ermittlungsbehörde am Freitag. Auch eine unangemeldete Kontrolle der Klinik durch die Bezirksregierung Münster habe keinen Anlass für Ermittlungen ergeben.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen möglicher Freiheitsentziehung und Gewalt gegen Kinder ermittelt. Nach Erscheinen des Films hatte die Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen erhalten. In der Dokumentation wird etwa gezeigt, wie Kinder mit Schlafstörungen allein in einem dunklen Schlafzimmer die Nacht verbringen – und irgendwann durchschlafen können.

Kritiker hatten der Klinik vorgeworfen, in den Therapien Gewalt anzuwenden. Die WAZ hatte zuvor über die Einstellung der Ermittlungen berichtet. Anzeigen von Eltern habe es nicht gegeben, sagte die Sprecherin. Deshalb habe sich das Ermittlungsverfahren nur auf den Film bezogen. Die Staatsanwaltschaft habe nicht zu prüfen gehabt, ob die in der Klinik angewandten Methoden wissenschaftlich geboten oder medizinisch notwendig seien.

Seit seinem Erscheinen sorgt „Elternschule“ für kontroverse Debatten über die gezeigten Therapiemethoden. Kritik kam unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und dem Deutschen Kinderschutzbund. Die Klinik hatte die Vorwürfe als „haltlos“ zurückgewiesen und ihre Arbeit als „absolut gewaltfrei“ bezeichnet.

Nach der Einstellung der Ermittlungen sagte der Geschäftsführer der Klinik, Werner Neugebauer, viele Kritiker seien an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert. Von den Familien, denen in Krisensituationen geholfen worden sei, habe das Klinik-Team dagegen Unterstützung und Zuspruch erhalten.

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