Stichwahl der Oberbürgermeister in NRW : Die erste Grüne für Kölle
Köln könnte am Sonntag clever wählen. Die grüne, kurdische Politikerin Berivan Aymaz ist eine vielversprechende Bürgermeisterin für die Stadt.
B erivan Aymaz könnte bei der kommenden Stichwahl in Köln die erste Grüne (und auch noch migrantische) Oberbürgermeisterin einer deutschen Millionenstadt werden. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen lag sie mit 28 Prozent deutlich vor ihrem SPD-Mitbewerber Torsten Burmester, einem Sportfunktionär und früheren Mitarbeiter von Ex-Kanzler Gerhard Schröder.
Aymaz, bisher Vizepräsidentin des NRW-Landtags, wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet. Sie hat Chancen, doch es wird knapp. Der bereits ausgeschiedene CDU-Kandidat hat zur Wahl Burmesters aufgerufen. Ob die in Köln mit 9 Prozent unterdurchschnittlich vertretenen AfD-Wähler ein zweites Mal an die Urne gehen, ist ungewiss. Für Aymaz dürften sie überwiegend nicht stimmen.
Die Grünen sind eine Partei der Innenstädte – das gilt auch für Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München. In den gentrifizierten Vierteln der Metropolen, wo viele Akademiker und junge Leute wohnen, wo sich alternative Cafés und vegane Imbissbuden aneinanderreihen, fahren sie satte Mehrheiten ein.
An der Peripherie aber schwächeln sie. In den bürgerlichen Vororten dominiert meist die CDU, in den Hochhausvierteln am Stadtrand die AfD. „Die Zentren der Großstädte sind nicht repräsentativ für die Stimmung im Land“, analysiert Wahlforscher Ansgar Hudde. Der Soziologie hat die regionale Stimmenverteilung bei der Bundestagswahl analysiert. Seine These: Die Mehrheit der Deutschen lebt außerhalb dieser politisch homogenen Blasen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Ein Erfolg der grünen Kölner OB-Kandidatin Aymaz wäre ein prägnantes Beispiel für das „Grün-links-Wahlmuster“, wie es Hudde nennt. In diesen Stadtteilen und Stimmbezirken finden Grüne und Linke starken, rechte Parteien dagegen wenig Zuspruch. Doch dieses Muster ist bundesweit betrachtet die große Ausnahme.
Nur ein Zwölftel der Deutschen lebt in den Zentren der großen Städte – allerdings besonders viele derjenigen, die mit Politik, Wissenschaft oder Medien zu tun haben. Was sie vor der Tür erleben, verzerrt ihre Wahrnehmung. Insofern ist keineswegs klar, dass die Grünen in Köln – oder in der noch mehr von diesem Milieu geprägten Unistadt Münster – am Sonntag das Rennen machen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert