Steinbrücks Oasenvergleich mit Burkina Faso: Steueroase? Einfach Oase!
Finanzminister Steinbrück nennt Liechtenstein und Luxemburg in einem Atemzug mit Ouagadougou. Und meint damit die Steueroasen. Doch die afrikanische Hauptstadt ist eher nur eine Oase.
Wer durch Afrikas heiße Sahelzone reist, sollte sich in Ouagadougou ausruhen. Die Hauptstadt von Burkina Faso ist eine gemütliche Großstadt von rotem Sand zwischen breiten Boulevards, wo man sogar zu Fuß gehen kann. Eine Oase.
Aber keine Steueroase. Das muss Bundesfinanzminister Peer Steinbrück irgendwie verwechselt haben, als er am Dienstag auf Kritik der Schweiz an der neuen "Graue Liste" von Steuerparadiesen antwortete: "Selbstverständlich werde ich sie zur Nachfolgekonferenz im Juni in Berlin auch einladen: Luxemburg, Liechtenstein, die Schweiz, Österreich und Ouagadougou". Damit hatte er viel Spott auf sich gezogen, und zwar nicht nur, weil der SPD-Politiker Ouagadougou für ein Land hielt. Hätte er bloß Genossen Steinmeier gefragt, der letztes Jahr da war.
Dabei zahlt die Bundesregierung, also Steinbrück, jedes Jahr ziemlich viel Entwicklungshilfe nach Burkina Faso, das als eines der saubersten Länder Westafrikas gilt. Der Staatsname, eingeführt 1983 vom bis heute für sein hartes Vorgehen gegen Korruption verehrten Jugendrevolutionär Thomas Sankara, heißt auf Deutsch "Republik der Rechtschaffenen". In Ouagadougou findet alle zwei Jahre Afrikas größtes Filmfestival statt, die Fespaco. Die 1000 Jahre alte einstige Kaiserhauptstadt, deren Name auf Deutsch "Kommt zur Ehrerbietung" heißt, ist heute eine noch immer gemütliche, moderne Metropole. Höchstens auf das protzige Villenviertel "Ouaga 2000" könnte der Vorwurf zutreffen, hier würden Schwarzgelder gewaschen. Wie in deutschen Villenvierteln auch.
Ouagadougous Medien haben, wie es sich für eine selbstbewusste Stadt gehört, Steinbrück ignoriert. Nur eine kleine Nichtregierungsorganisation dachte, der Deutsche wüsste, wovon er rede, und beglückwünschte ihn für seine Kritik.
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