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Steigender Preis für CO2Etwas mehr Geld fürs Klima

Der Preis für Kohlendioxid steigt und verteuert fossile Energien wie Benzin, Diesel und Gas. Nur Ökostrom bleibt günstig. Was jetzt wichtig ist.

Entscheidend ist nicht, was rauskommt, sondern was verfeuert wird. Oder doch beides? Qualmende Schornsteine Foto: Silas Stein/imago

Durch den gesetzlichen Kohlendioxidpreis könnten dieses Jahr die Kosten für Benzin, Diesel und Heizwärme steigen. Das soll die Ver­brau­che­r:in­nen animieren, zunehmend auf umweltfreundliche Energie umzusteigen. So weit der Plan. Wie sich die Energiepreise 2026 unter dem Strich insgesamt entwickeln, hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab – vor allem von der Geschäftspolitik der Energieunternehmen.

Geplanter Anstieg des Kohlendioxidpreises: Der Liter Benzin könne dieses Jahr bis zu 3,7 Cent teurer werden, weil der CO2-Preis steigt, sagt die Deutsche Emissionshandelsstelle des Umweltbundesamtes. Gegenwärtig kostet ein Liter an der Tankstelle um die 1,70 Euro. Für Diesel und Heizöl könnte die Steigerung 4,1 Cent pro Liter ausmachen. Der Gesamtpreis für Diesel an den Stationen beträgt derzeit 1,67 Euro. Bei Erdgas kommen wohl bis zu 0,28 Cent pro Kilowattstunde hinzu. Aktuell kostet das Gas ungefähr 11 Cent.

Hintergrund: 2025 betrug der Preis für den Ausstoß einer Tonne CO2 55 Euro. Im gerade begonnenen Jahr steigt er auf 55 bis 65 Euro, eventuell sogar noch mehr: Das müssen Erdöl-Raffinerien und ähnliche Energieunternehmen bezahlen, wenn sie entsprechende Mengen Treibstoff und Heizwärme kaufen. Die Firmen legen diese Kosten auf die Endkundenpreise um.

Reale Preisentwicklung: Wie sich die Kosten pro Liter und Kilowattstunde für die Ver­brau­che­r:in­nen insgesamt in diesem Jahr gestalten, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Bei Benzin und Diesel ist ein wesentlicher Faktor der Weltmartkpreis für Rohöl, der stark von der globalen Wirtschaft und Politik abhängt. Die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne und Erdgas-Unternehmen spielen ebenfalls eine Rolle. Für Erdgas etwa rechnet RWE-Chef Markus Krebber in den nächsten zwei Jahren mit sinkenden Preisen. Begründung: das zunehmende Angebot an Flüssiggas auf dem Weltmarkt.

Optionen für Privathaushalte: Der CO2-Preis belastet nur fossile Energie. Auf Ökoenergie, die keinen Klimagas-Ausstoß verursacht, wird er nicht erhoben. Strategisch günstig ist es deshalb, einen Benzin-Pkw durch ein Elektro-Auto zu ersetzen, das Strom aus Solar- und Windparks verbraucht. Statt Öl- und Gasheizungen können Haus­be­sit­ze­r:in­nen Wärmepumpen nutzen. Und die Mieter:innen? Wer keine eigene Entscheidungsgewalt über die Art der Heizung hat, muss nicht den kompletten CO2-Preis tragen. Denn er wird zwischen Mie­te­r:in­nen und Ver­mie­te­r:in­nen aufgeteilt. Je energieeffizienter ein Haus ist, desto höher ist der Anteil, den die Mietenden tragen müssen. Bei schlecht gedämmten Gebäuden ist es umgekehrt.

Europäisches Projekt: Für Benzin und Heizwärme beruht die Idee eines CO2-Preises momentan auf dem „nationalen Emissionshandel“. Das entsprechende Gesetz ist aber kein isoliertes deutsches Projekt, sondern eingebettet in die Politik der Europäischen Union. Die 27 Staaten haben beschlossen, bis 2050 klimaneutral zu werden, unter dem Strich also kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr auszustoßen. In Deutschland soll es bereits 2045 so weit sein.

Umsetzung des CO2-Preises: Die Deutsche Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt verkauft CO2-Zertifikate zum Beispiel an Raffinerien, die diese entsprechend der von ihnen produzierten Treibstoffmengen erwerben müssen. Das Gesetz sieht dafür 2026 eben einen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 vor. In diesem Rahmen können die Unternehmen einen niedrigeren oder höheren Preis bieten. Da die Menge der Zertifikate begrenzt ist, erwarten Ex­per­t:in­nen eher Preise am oberen Rand des Korridors.

Die entsprechenden Auktionen an der Leipziger Energiebörse EEX beginnen vermutlich im Juli. Brauchen die Firmen mehr Zertifikate als angeboten, können sie zum Jahresende für 68 Euro pro Tonne nachkaufen. Diesem Preis entspricht die von der Emissionshandelsstelle kalkulierte Erhöhung um beispielsweise 3,7 Cent für einen Liter Benzin. Die Mineralölkonzerne erhöhen die Preise schon jetzt, weil sie in den Auktionen ab Jahresmitte Zertifikate für das komplette Jahr 2026 kaufen müssen.

Wer bekommt das Geld? Durch den CO2-Preis verbucht die Emissionshandelsstelle Milliarden Euro an Einnahmen. Diese Mittel fließen in den Klima- und Transformationsfonds des Bundeshaushaltes. Damit bezahlt die Bundesregierung unter anderem Förderzuschüsse für den Umbau von Heizungen. So kommt ein erheblicher Teil des Geldes Privathaushalten und Firmen zugute, die von fossiler auf Ökoenergie umsteigen.

Wie es weitergeht: Wahrscheinlich ab 2028 führt die EU den CO2-Preis europaweit ein. Weil die Menge der Zertifikate in den kommenden 20 Jahren gen Null sinken soll, dürfte ihr Preis nach und nach erheblich zunehmen. Grund genug, weniger oder keine fossile Energie mehr zu verbrauchen.

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