Standards beim Schulessen: Geschmack ist Glücksache

Für gute Verpflegung fehlen in fast allen Bundesländern verpflichtende Vorgaben. Das will Ernährungsministerin Julia Klöckner jetzt ändern.

Eine Köchin verteilt Essen in einer Schulmensa.

Was kommt auf den Teller? Essensausgabe in einer Berliner Schule Foto: Christian Ditsch/imago-images

BERLIN taz | Täglich Gemüse, Kartoffeln oder Getreide, maximal zwei mal die Woche Fleisch; die Lebensmittel kühl und dunkel lagern, erst kurz vor der Zubereitung zerkleinern und unter kaltem Wasser waschen, nicht darin liegen lassen. Unter anderem dies sehen die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gutes Schulessen vor. Verbindlich für die Träger der Schulen, zum Beispiel Kommunen oder Kirchen, sind die über zehn Jahre alten DGE-Standards aber nur in Berlin, Hamburg und im Saarland.

Ernährungsministerin Julia Klöck­ner (CDU) hat die Länder jetzt aufgefordert, die Empfehlungen als verpflichtend einzuführen. „Hier darf es keine Ausreden mehr geben“, sagte sie dem Spiegel. Unterstützung erhält sie aus der Wirtschaft: Der Großanbieter Sodexo, der bundesweit nach eigenen Angaben 130.000 SchülerInnen versorgt, bedauert, „dass es bislang keine deutschlandweite Zertifikatspflicht gibt“.

Die Schulverpflegung falle „in die Verantwortung der Kommunen als Schulträger“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums für Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Es seien deshalb keine verbindlichen Vorgaben seitens der Landesregierung geplant. Um hochwertiges und kindgerechtes Essen in der Schule zu fördern, biete das Ministerium ein umfangreiches Unterstützungsangebot an, etwa mehrere Modellprojekte.

Das in Rheinland-Pfalz zuständige Umweltministerium verweist ebenfalls auf zahlreiche Projekte, mit denen das Schulessen im dem Land verbessert werden soll. So arbeiteten etwa in der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Verantwortliche aus Verwaltungen, Schulen, Verpflegungsanbietern und Elternvertreter/innen daran, das Essen gemäß den DGE-Standards zu optimieren. Das Ministerium verweist aber auch auf die Verantwortung des Bundes: Die Einführung der DGE-Standards sei zwar überfällig, könne aber nicht einseitig zulasten der Kommunen erfolgen. Diese bräuchten dafür „dringend eine Unterstützung durch Bundesmittel“, heißt es aus dem Ministerium.

Es fehlt eine valide Datengrundlage

Ob die Initiativen der Länder oder die Umsetzung der DGE-Empfehlungen die Qualität des Schulessens insgesamt verbessert haben, weiß allerdings niemand: „Wir werben schon lange für ein Monitoring“, sagt Anke Oepping, Leiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule. Bislang wurden keine wissenschaftlichen Daten in längeren Zeiträumen in den Schulen erfasst. Das sei auch nicht trivial, sagt Oepping: „Messen sie die Absatzzahlen oder die Nähe der Speisepläne zum DGE-Qualitätsstandard oder die Nachhaltigkeit der Zutaten?“, fragt sie.

Die DGE-Kriterien umzusetzen sei aber kein Hexenwerk, sagt Oepping: „Wir bräuchten dafür den gemeinsamen politischen Willen, für satte, gesunde und zufriedene Kinder zu sorgen.“

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