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St.Pauli-Fans vermissen NeutralitätFan-Polizist klatscht Rechten ab

Ein Polizist, der St.-Pauli-Fans beobachtet, gibt mutmaßlichem Neonazi die Hand. St. Pauli will Antworten, die Polizei sagt, das sei so üblich.

Aus Hamburg

Philipp Schulte

Die Fanclubs des FC St. Pauli haben einen offenen Brief verfasst. Ihr Sprecherrat wendet sich an die Hamburger Polizei. Die Fanclubs beklagen, dass ein „szenekundiger Beamter“ Kontakt zu einem aus ihrer Sicht rechtsextremen Demonstrations-Teilnehmer hatte. Er war dabei im Dienst.

Szenekundige Beamte sind Polizisten, die Fans von Fußballvereinen, besonders die sogenannten Ultra-Fans, an Spieltagen beobachten. Bei St. Pauli gibt es zwei Beamte, die immer mit dabei sind.

Es geht um ein Foto, das das Antifa-Internetportal Exif – Recherche und Analyse veröffentlicht hat. Auf diesem ist der Polizist Peter G. zu sehen, wie er mit Martin Fitsch abklatscht – laut Exif ein stadtbekannter Neonazi. Die Szene ereignete sich nach einer Anti-Merkel-Demonstration am 26. Februar auf dem Gänsemarkt.

Seit mehreren Wochen demonstrieren Menschen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Innenstadt, am Gänsemarkt und Dammtor. Unter den 300 bis 400 Demonstranten sind dem Verfassungsschutz zufolge Menschen aus dem bürgerlichen Lager bis hin zu Personen aus der rechtsextremistischen Szene. Die Zahl der Gegendemonstranten lag laut Polizei bei bis zu 1.000.

„Wir fragen, warum ein Beamter sich so vertraut gibt. Wir fragen, wie er im Umfeld des FC St. Pauli arbeiten kann, wenn er hier nicht distanziert agiert“, schreibt der Fanclubsprecherrat in dem Brief. In den sozialen Netzwerken werde „dies verbreitet und sorgt für eine unglaubliche Unsicherheit“. Und zwar deshalb, weil die Fans Peter G. jedes Wochenende im Stadion sehen.

Polizei findet Handschlag normal

Das Verhalten sei der Zusammenarbeit mit dem Verein und seiner Fanszene alles andere als zuträglich, schreibt der Sprecherrat. Die St.-Pauli-Fans kämpfen traditionell gegen Rassismus und rechtsextreme Hetze – und Polizisten sind vielen ein Dorn im Auge.

Christoph Pieper, Pressesprecher des FC St. Pauli, sagt: „Das ist ein legitimes Ansinnen. Ich habe das Foto auch gesehen und kenne den Beamten. Der Fanclubsprecherrat hat Verantwortung für alle Fans.“ Der Verein ist im Gespräch mit der Polizei, um den Vorfall aufzuklären.

Die bestätigte, dass G. an besagtem Abend „dienstlich“ bei der Demo eingesetzt war. Er sollte klären, ob Hooligans dabei waren. Er habe das Gespräch mit einem ihm bekannten HSV-Fan gesucht. „Eine Begrüßung oder Verabschiedung mit Handschlag entspricht dabei üblichen Umgangsformen“, sagt die Polizei. Darin eine Verletzung der Neutralitätspflicht zu erkennen, entspreche „nicht den Tatsachen“.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • ...komisch, ich kann mich an keine linke und alternative Demo in Hamburg in den 80er Jahren erinnern, an denen es so kumpelhaft zwischen einem Polizisten und uns zuging. Der Körperkontakt fand ind er Regel eher mit dem Schlagstock statt....

  • Unglaublich, auch wie die Polizei HH damit umgeht.

    Da fehlt dem Beamten wohl die nötige Distanz.

  • Dass sich da zwei lieb haben, verwundert kaum; Wir hätten sonst auch deutlich weniger menschenverachtende, feige Morde und Brandanschläge im Land.