Spitzenspiel in der Männerbundesliga: Macht der Bilder

Dortmund und Bayern lieferten sich ein ansehnliches Spiel. Warum danach darüber niemand, aber alle Welt über den Schiedsrichter spricht.

Robertlewandfowski und andere Spieler von hinten beim Elfmertersachuss des Polen

Entscheidendes Tor nach der entscheidenden Szene: Robert Lewandowski überwindet Gregor Kobel Foto: Martin Meissner/ap

DORTMUND taz | Selten hat ein derart großes Bundesligaspiel so ambivalente Gefühle hinterlassen. Nicht einmal die Münchner konnten sich ungetrübt freuen nach ihrem 3:2-Sieg bei Borussia Dortmund. Als alle geduscht hatten und die erste Aufregung überwunden war, waren schon noch Reste übrig von der Begeisterung über ein phasenweise hinreißend schönes Fußballfest „mit offenem Visier“, wie BVB-Trainer Marco Rose sagte.

„Ich würde gerne mehr über Fußball reden. Ich habe ein richtiges Spitzenspiel gesehen, es ging hoch und runter, mit Chancen auf beiden Seiten“, sagte Rose. Doch mehr noch als der mitreißende Sport bewegte die Beteiligten auch eine Stunde nach dem Abpfiff noch die Arbeit des Schiedsrichterteams um Felix Zwayer. Sogar Thomas Müller sagte über die umstrittene Szene, die zu Robert Lewandowskis siegbringendem Elfmeter geführt hatte: „Ich kann den Frust und den Ärger verstehen.“

Zwayer hatte ein Handspiel von Mats Hummels im Strafraum gesehen, war sich über die Strafbarkeit dessen aber nicht sicher, kontaktierte den Videoschiedsrichter und verhängte nach Sichtung der Bilder einen Strafstoß. Die Dortmunder waren entsetzt, Erling Haaland sprach von einem „Skandal“, und das Publikum bekam ein ungelöstes Grundproblem der Unparteiischen im Umgang mit den Bildern vorgeführt.

Kleine Bidausschnitte

Zwayer betrachtete in der Review-Area immer wieder einen kleinen Ausschnitt der Situation. Zu sehen war, wie Hummels sich in die Flugbahn des Balls hineinbewegt, der ihm dann auf den weit abgespreizten Arm fällt. Der Videoassistent habe ihm gesagt, „dass Hummels den Arm in einer unnatürlichen Haltung vom Körper weggestreckt hat und am Ende den Ball deutlich mit dem Ellenbogen abwehrt“, berichtete Zwayer später.

Genau das schienen die Bilder zu bestätigen. Rose jedoch hatte die ganze Situation vor Augen: „Das geht los mit der Hand von Thomas Müller auf Mats Hummels, Mats versucht sich dadurch ein Stück weit zu schützen, was sehr natürlich ist, kommt ins Straucheln, sieht den Ball gar nicht mehr, taucht irgendwohin ab, und dann fällt ihm der Ball auf die Hand.“ Hätte Zwayer einen längeren Ausschnitt der Szene gesehen, wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen.

Mit der Behauptung, Hummels habe den Ball „deutlich mit dem Ellenbogen abgewehrt“, erweckten die Schiedsrichter stattdessen den Eindruck, der Verteidiger habe das mit Absicht gemacht, denn die Frage nach dem Vorsatz soll ja im Zentrum der Abwägungen stehen. Verstärkt wurde die Dortmunder Wut noch, weil die Schiedsrichter einen Zweikampf zwischen Lucas Hernandez und Marco Reus, in dessen Folge sogar die Bayern einen Elfmeterpfiff für richtig hielten, nicht überprüften.

Zwayer hatte „einen Kontakt im Oberkörperbereich“ gesehen, „da darf Kontakt stattfinden“, sagte er. Also entschied er sich im Kontext seiner großzügigen Spielleitung gegen einen Pfiff. „Das ist hart“, sagte Reus, als er die Bilder sah und Nagelsmann erklärte: „Es gab schon Schiedsrichter, die das gegeben hatten.“

Am Abend ging dann auch noch eine Aussage von Jude Bellingham beim schwedischen Streamingdienst Viaplay viral: „Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?“ Am Sonntagmorgen war das kurze Video fast zwei Millionen Mal abgerufen worden.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bellingham spielte damit auf den Manipulationsskandal aus dem Jahr 2004 an, als Zwayer zwar keine Spielmanipulation nachgewiesen wurde, aber er hatte vor einer Partie zwischen Wuppertal und Werder Bremen II 300 Euro angenommen, um als Linienrichter „kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden“. So lautet die offizielle Formulierung in einem Urteil des DFB-Sportgerichts. Auch darüber wurde nach Schlusspfiff mehr gesprochen als über das bisweilen atemberaubende Spiel.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de