Sperre gegen Manchester City ungültig: Freibrief für Milliardäre

Manchester City darf nun doch in der nächsten Saison Champions League spielen. Die Sperre gegen den Klub wird aufgehoben.

Sieg auf grünem Rasen und Tisch: Manchester City bleibt der Champions League erhalten Foto: reuters

Nun darf Manchester City also doch mitspielen, wenn im Herbst die neue Saison in der Champions League beginnt. Das internationale Sportschiedsgericht Cas in Lausanne hat die Zweijahressperre, die die europäische Fußballunion Uefa wegen Verstößen gegen die Regeln des Financial-Fair-Play ausgesprochen hat, für ungültig erklärt. Satt der ursprünglich verhängten 30 Millionen Euro Strafe muss City nun nur 10 Millionen blechen und das auch nur deshalb, weil sich der Klub bei den Ermittlungen der Uefa wenig kooperationsbereit gezeigt hat. Für die von der Uefa beklagte Art der Finanzierung des Klubs wird Manchester City nicht belangt.

Es ist ein Urteil ganz im Sinne des Investorenfußballs. Es ist ein Freibrief für Milliardäre und Konzerne, sich Gebilde zu schaffen, die abgekoppelt sind vom finanziellen Wettbewerb. Darum war es gegangen, als die Regel 2015 in Kraft getretenen ist. Das Fußballgeschäft, so die Idee, soll sich lohnen.

Einnahmen und Ausgaben werden zwar nicht gedeckelt, aber die Klubs müssen nachweisen, dass sie rentabel wirtschaften können. Überschuldung sollte vermieden werden. Und wenn ein Sponsor oder Mäzen ohne erkennbare Gegenleistung ein allzu großes Minus im Geschäftsbericht ausgleicht, um so Rentabilität vorzugaukeln, sollte das unter Strafe gestellt werden. Bei Manchester City war es die Abu Dhabi United Group Investment & Development, die immer wieder Geld in den Klub gepumpt.

Oft ist das Financial-Fair-Play missverstanden worden, als Instrument zur Deckelung von Transfersummen oder Spielergehältern. Das war es nie. Die Regel sollte nur sicherstellen, dass der Wahnsinn des modernen Fußball ein lohnendes Geschäft ist. Das ist misslungen.

Berechtigte Kritik an der Uefa

Die Regeln waren nicht so formuliert, dass sie standhalten, wenn es wirklich einmal Streit um ihre Anwendung gibt. Wegen viel zu kurzer Verjährungsfristen und einem Geltungsbereich, der nicht lange genug in die Vergangenheit reicht, war das Urteil gegen Manchester City allzu leicht zu Fall zu bringen. Und so muss sich die Uefa die Kritik gefallen lassen, die sie nun zu hören bekommt, obwohl sie in diesem Verfahren auf der Verliererseite steht.

Noch etwas ist seit diesem Montag klar. Der Profifußball dieser Tage ist eben keine gute Geschäftsidee und muss es auch nicht sein. Wer das Glück hat, einen Oligarchen zu finden, der einen in die Champions League kauft, der stellt sich über die Klubs, die versuchen, mit einer sauberen Rechnung von Einnahmen und Ausgaben einen wettbewerbsfähigen Kader zusammenzustellen. Einen fairen finanziellen Wettbewerb, der neben dem Spiel auf dem Platz stattfindet, gibt es nicht.

Für Fußballromantiker ist dies gewiss eine schlechte Nachricht. All diejenigen, die wollen, dass auch einmal ein Klub die Champions League gewinnt, der nicht schon immer unter die letzten acht dieses Wettbewerbs gekommen ist, dürfen sich immerhin darüber freuen, dass Milliardäre den ermüdenden Siegeszügen von Real Madrid oder dem FC Barcelona etwas entgegensetzen dürfen. Wie groß dies wirklich sein wird, wenn tatsächlich Rasenballsport Leipzig die Champions League gewinnt? Wir werden sehen.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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