Sonnenfinsternis-Hype in Spanien: Schlafbrille für Eklipseverächter
Über Spanien wird sich der Himmel am Mittwoch vollständig verfinstern. Das sorgt für einen Massenansturm: Tesla-Boss Elon Musk hat gleich ein Hotel gemietet.
Alle spanischen Nachrichten und Zeitungen kennen heute nur ein Thema: „Wie beobachte ich eine Sonnenfinsternis?“ – so lautet die Frage, die ausführlich beantwortet wird. Es geht um Spezialbrillen, Uhrzeit, Himmelsrichtung. Der Hype ist groß.
Erstmals seit 120 Jahren wird in einem 300 Kilometer breiten Streifen, der vom Atlantik im Nordwesten Spaniens bis zu den Balearischen Inseln im Mittelmeer reicht, gegen 20.30 Uhr eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein. Je nach Standort verdeckt der Mond dort die Sonne zwischen 40 Sekunden und knapp zwei Minuten total. Der Tag wird plötzlich zur Nacht.
Millionen Spanierinnen und Spanier sowie Millionen von Touristinnen und Touristen, die aus aller Welt angereist sind, haben sich vorbereitet, um das Spektakel am Himmel zu sehen. Mit Brillen ausgerüstet hat sich jede und jeder einen Platz ausgesucht, von wo aus der Himmel frei zu sehen ist. Die Vorhersagen schauen gut aus. Nur ganz im Nordwesten an der Küste Galiciens und Asturiens sind Wolken am Horizont zu erwarten. Der Rest der Zone der totalen Finsternis ist wolkenfrei. Im restlichen Land kann – ebenso wie in vielen Orten Europas – eine teilweise Sonnenfinsternis beobachtet werden. So auch in Deutschland, wo die Sonne in Freiburg kurz nach 20 Uhr zu über 90 Prozent verdeckt sein wird. In Berlin sind es immerhin noch knapp 85 Prozent.
Bis zu 100 Millionen Extra-Umsätze erwartet
Die Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes werden dieses Jahr im wahrsten Sinne des spanische Sprichwortes „ihren August machen“. Der Ausdruck steht im Land auf der Iberischen Halbinsel, das knapp 13 Prozent seines Bruttoinlandproduktes dem Tourismus zu verdanken hat, für ein besonders gutes Geschäft. Die Sonnenfinsternis ist es.
Schätzungen gehen von bis zu 100 Millionen Euro Extra-Umsätzen aus. Selbst kleine Pensionen streichen für die Nacht vor und nach der Sonnenfinsternis bis zu 500 Euro pro Übernachtung ein, in guten Hotels gehen die Preise in die Tausende.
An betuchten Gäste fehlt es nicht. So hat Elon Musks Unternehmen SpaceX in der nordspanischen Kleinstadt Lerma in der Provinz Burgos den Parador, ein Hotel in einem historischen Gebäude mit 70 Zimmern komplett gemietet. Campingplätze in der Totalitätszone sind seit Monaten völlig ausgebucht. So mancher vermietet seinen Balkon Richtung Westen. Dachterrassen in den Städten in der Zone sind ebenfalls beliebt und teuer
Staus und erhöhte Waldbrandgefahr
Was des einen Freund ist des anderen Besorgnis. Spanien durchlebt einen besonders heißen und trockenen Sommer. Das Waldbrandrisiko ist extrem hoch. Hunderttausende von Sonnenfinsternisbesuchern überall in der Natur können da schnell zum Problem werden. Vielerorts hat deshalb die Verkehrspolizei der Guardia Civil bereits Straßensperrungen angekündigt. Alles, was über Feldwege zu Aussichtspunkten führt, gehört dazu. Staus sind überall zu erwarten.
Mancherorts wurden Großereignisse zur gemeinsamen Beobachtung des Himmelsschauspiels vor Tagen wieder abgesagt. So etwa in mehreren Gemeinden der Region Madrid. Übergeordnete Behörden hatten keine Erlaubnis erteilt – alles aus Angst vor Bränden. Alleine rund um Madrid wurden dieses Jahr bereits rund 30.000 Hektar Opfer der Flammen. In ganz Spanien sind es über 220.000 Hektar.
Mancherorts haben die Gemeinden Angst davor, regelrecht überrannt zu werden. So etwa im kleinen Ort Avellanosa, in der Nähe des zentralspanischen Stadt Burgos. Das Dorf ging viral, nachdem die BBC es in einer Reportage zeigte. Wenige Kilometer weiter hat sich die Nasa in einem anderen Dorf eingemietet, um die Sonnenfinsternis live zu übertragen. Auch dort werden jetzt Massenaufläufe erwartet. „Wir sind total besorgt“, erklärt der Bürgermeister von Avellanosa in der Presse. „Unser kleines Dorf ist nicht darauf vorbereitet so viele Menschen aufzunehmen.“
Eine Schlafbrille für Eklipseverächter
Doch Spanien wäre nicht Spanien, würden man die Sache nicht auch mit Humor nehmen. So bewarb Spaniens meistgehörter Radiosender, Cadena Ser, für all jene, die beim Hype nicht mitmachen wollen, eine Schlafbrille.
In den sozialen Netzwerken tauchten zudem Anzeigen auf, in denen behauptet wurde, dass Bill Gates das Patent auf die Spezialbrillen mit Filter zur Beobachtung der Sonnenfinsternis habe, und dass diese gezielt von der Linksregierung unter Pedro Sánchez verbreitet würden. „Da gibt es etwas, was diese Roten nicht wollen, dass wir es sehen“, heißt es in der Anzeige, und darauf könne es nur eine Antwort geben: „Ich? Ohne Brille!“
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