Sondierungen in Berlin: Was heißt extrem intensiv?

SPD, Grüne, Linke und FDP sondieren in wechselnder Besetzung seit Montag. Nach außen dringt nichts – außer Mimik und Wortfetzen. Spannend!

Na dann viel Spaß: Vor der Rot-Grün-Rot-Sondierung am Dienstag Foto: picture alliance/dpa | Annette Riedl

Wenn hinter fest verschlossenen Türen die Möglichkeiten neuer Berliner Koalitionen sondiert werden, so wie beim Speed-Dating zwischen SPD, Grünen und FDP am Montag und SPD, Grünen und Linken am Dienstag – dann werden kleine Nuancen von dem wenigen, was öffentlich wird, umso interessanter.

Etwa der Gesichtsausdruck der Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch vor dem Ampel-Treffen am Montagmittag: Reichlich eingefroren das Lächeln, meint man zu erkennen, wie sie da neben SPD-Chefin Franziska Giffey und FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja vor dem Kurt-Schumacher-Haus im Wedding steht. Nahm das Nicht-Lächeln da schon vorweg, was sie später, nach der 7,5-stündigen Marathonsitzung sagen würde, nämlich dass es „extrem intensive Gespräche“ gewesen seien? Und was heißt überhaupt „extrem intensiv“, ist das etwas Gutes oder etwas Schlechtes? Zumindest klingt das deutlich emotional angefasster als die „guten Gespräche“, die Giffey gehabt haben wollte.

Das bei JournalistInnen wie PolitikerInnen wohleinstudierte Prozedere bei Sondierungen geht so: Bevor die Verhandlungsdelegationen sich in irgendeinem Konferenzraum im Mutterhaus der einladenden Partei zusammensetzen, lassen sie sich einmal von der Presse als Gruppenfoto ablichten. Dann wird sondiert. Die vor dem Ort des Geschehens wartenden JournalistInnen gehen derzeit Kaffee trinken und twittern, dass „nichts nach außen“ dringe – was sie so genau wissen, weil sie natürlich beim Kaffee trinken die ganze Zeit versuchen, über die zweite Reihe der nicht direkt an den Sondierungen Beteiligten an Infos zu kommen.

Taxis und Limousinen

Abends machen die FotografInnen Fotos, wie die SondiererInnen in Taxis oder Limousinen steigen, und die JournalistInnen twittern darüber, wie erschöpft der Gesichtsausdruck von dieser oder jenem war und was das möglicherweise zu bedeuten hat.

Und am nächsten Tag geht es wieder von vorne los. Das ist ein bisschen ermüdend und auch ein bisschen spannend, weil einem alles, auf das man lange und extrem intensiv warten muss, irgendwann eben einfach spannend erscheint.

Nach den Ampel-Sondierungen am Montag sondierte die designierte Regierende Giffey am Dienstagvormittag mit Grünen und Linken weiter. Auf den Pressebildern sah man die Linke mit selbstgebackenem Kuchen im Kurt-Schumacher-Haus, der Landeszentrale der SPD, anrücken. Bettina Jarasch strahlte. Giffey, die eigentlich die Ampel will, lächelte ebenfalls und zwar nicht mal verkrampft.

Und was heißt das jetzt, wer wird mit wem zu dritt weiterkoalieren? Kommt die Ampel oder hat sich die designierte Regierende gleich zu Beginn ihrer Amtszeit kräftig verpokert? Die Sondierungen dauerten zu Redaktionsschluss noch an. Zeit für noch einen Kaffee.

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