Social Networking ohne Datenschutz: Googles Universalprofil
Der Konzern eifert populären Social Networking-Diensten nach: Auf Profilseiten kann man sich präsentieren. Oder bekommt automatisch ein Profil eingerichtet. Droht ein Datenschutzfiasko?
Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, kennt die populäre Funktion: Auf den Profilseiten bei MySpace, Facebook, StudiVZ & Co. darf man sich der Netzgemeinschaft nach Belieben präsentieren - mit Bild, Vorlieben und, wenn man das möchte, auch Job, Alter und diversen anderen persönlichen Daten.
Google, beim Trendthema Social Networking bislang vergleichsweise mäßig erfolgreich, will es der Konkurrenz nun nachmachen: Mit Google Profiles hat der Internet- Konzern seit wenigen Tagen einen Dienst freigeschaltet, der als eine Art universelles Profil angemeldeter Nutzer der Suchmaschine dienen soll. Die verwendeten Informationen speisen sich dabei aus den Daten, die man eingeben muss, wenn man sich etwa für den Post-Dienst des Konzerns anmeldet. Verwendet wird der bereits jetzt zentralisierte Google Account.
Die bereitgestellten Daten sind zunächst harmlos: Nur der Name ist ausgefüllt, einen "Nick", den andere Besucher zu sehen bekommen, darf man sich auswählen. Weitere Informationen wie Bild, Beruf, Ort, eventuelle Links zur eigenen Homepage sowie eine genauere Beschreibung der eigenen Person darf der Nutzer selbst eingeben.
Aktuell ist Profiles nur in drei Diensten der Suchmaschine aktiviert: Im Online-Atlas Google Maps, im Nachrichtenfeed-Leseprogramm Google Reader und bei dem Lesezeichen-Dienst Shared Stuff. Google will die Technik laut eigenen Angaben aber auch baldmöglichst in anderen Diensten integrieren. Bei Google Maps sind die Profile besonders prominent: Ergänzt man hier in der Karte Daten oder schreibt einen Bericht zu einem Lokal, wird der Autorenname sofort auch mit dem Profil verknüpft. "Jeder kann ihr Profil sehen, wenn sie etwas veröffentlichen", heißt es dazu auf der Profiles- Hilfeseite.
So harmlos der Dienst zunächst wirkt, Datenschützer dürften ihn schnell kritisieren. So erhält jeder Google-Nutzer automatisch ein eigenes Profil, ob er will oder nicht. (Allerdings enthält es in seiner unbearbeiteten Variante nur wenige Daten bzw. wird als "noch unvollständig" angezeigt.)
Problematischer sind die Social Networking-Funktionen, die Google mit seinem Profildienst eingeführt hat: Der Internet-Konzern macht automatisch all jene zu "Freunden" eines Nutzers, mit denen er in den Plauderdiensten Google Talk und Gmail Chat kommuniziert hat. Freunde sehen deutlich mehr Informationen im Profil des Nutzers, darunter seinen Beruf, wenn dieser eingegeben wurde. In Google Reader können diese Personen zudem Nachrichtenfeeds lesen, die der Nutzer als geteilt ("shared") markiert hat.
Verhindern lässt sich das nur, indem man jeden einzelnen Kontakt aus der Freundesliste streicht: "Ich will nicht, dass ein Wettbewerber, mit dem ich zwei Mal gechattet habe, plötzlich die von mir geteilten Nachrichten liest", meint der Journalist und Risikokapitalexperte Eric Eldon. Googles soziale Netzwerkfunktionen seien eher gruselig als sozial. Konkurrenzdienste wie Facebook erlaubten es hingegen, aktiv Freunde auszuwählen und bildeten genau definierte Netzwerke.
Wohin die Reise gehen könnte, zeigt das von Google betriebene Social Network Orkut. Der vor allem in Südamerika populäre Dienst bietet die Möglichkeit, neue Freunde aus dem Google Mail-Dienst einzuladen. Dabei werden nicht nur die Adressen angezeigt, sondern auch eventuell vorhandene Profildaten - ganz automatisch.
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