Skandal um AfD Bayern: AfD-Mann relativiert Holocaust

Das ist selbst für die AfD heftig: Ein Lokalpolitiker im Chiemgau soll auf Facebook holocaustleugnende Inhalte verbreitet haben.

Ein rotes Grablich steht auf einem Kubus des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin Foto: Stefan Boness/Ipon/imago

MÜNCHEN taz | Sepp Schuster ist Gemeinderat in Prien am Chiemsee. Im März trat der AfD-Mann bei den Kommunalwahlen sogar als Bürgermeisterkandidat für seine Partei an, er ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands. Jetzt teilte er laut AfD Watch Rosenheim auf Facebook einen Beitrag, der selbst Alexander Gaulands „Vogelschiss“-Äußerung in den Schatten stellt: er leugnete historische Fakten zum nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Juden.

AfD Watch Rosenheim, ein Recherchekollektiv, das seit Anfang des Jahres das Treiben der AfD in dem oberbayerischen Landkreis beobachtet, hat einen Screenshot des Posts veröffentlicht, den der Priener Heizungsbaumeister am vergangenen Mittwoch abends weiterverbreitet hat.

Darin geht es um einen Dokumentarfilm, den Alfred Hitchcock 1945 im Auftrag von Briten und Amerikanern über das Nazi-Regime und den Holocaust gedreht hat. In ihm zeigt der berühmte Hollywood-Regisseur beispielsweise Bilder von der Befreiung Bergen-Belsens und den dortigen Zuständen.

In dem Facebook-Post nun wird Hitchcock als „Meisterlügner“ bezeichnet, dann heißt es: „Falsche Leichen aus den Rheinwiesenlagern, falsche Lastwagen, Duschen und Krematorien etc. Hitchcock war mit dem Massenmörder und Zionisten, der pathologische und Deutschenhasser General Dwight David Eisenhower unterwegs in Deutschland.“ Die Grammatik und Schreibweise ist etwas wirr, die Botschaft umso eindeutiger.

Antisemitische Lügen auf Facebook

Es folgt denn auch ein Link zu einer Website, die vorgibt, die vermeintlichen Lügen Hitchcocks zu entlarven. Nach einem Haufen kruder Thesen kulminiert die angebliche Beweisführung in der Behauptung: „Damit ist bewiesen: In deutschen Konzentrationslagern fanden keine Massenmorde an Juden in den Dimensionen von 100.000en oder Millionen Opfern statt.“

Außerdem heißt es, dass Deutschland wegen Hitchcocks Dokumentation in Nürnberg „zu einem falschen 6-Millionen-Mord an Juden verurteilt wurde, dafür bezahlen musste“. Schuster selbst hat den Beitrag offensichtlich inzwischen wieder gelöscht.

AfD Watch Rosenheim urteilt: „Der geschichtsrevisionistische und antisemitische Facebookpost von Sepp Schuster ist ein weiteres Beispiel dafür, wie weit verbreitet menschenverachtende Einstellungen bei Mitgliedern der AfD in Stadt und Landkreis Rosenheim sind.“ Denn in der Tat ist es in der Rosenheimer Gegend nicht das erste Mal, dass Vorfälle mit AfD-Beteiligung über das Maß dessen hinausgehen, was man von dieser Partei gewohnt ist.

Obwohl die prominenten Figuren des Kreisverbands – die Landtagsabgeordneten Franz Bergmüller und Andreas Winhart – anders als etwa ihre Fraktionsschefin Katrin Ebner-Steiner nicht der völkischen Strömung innerhalb der Partei zugerechnet werden können, scheint sich in den hinteren Reihen auch rechtsextremistisches Gedankengut breitzumachen.

Nicht der erste Fall in der Rosenheimer AfD

So hatten die Jungle World und AfD Watch Rosenheim beispielsweise gemeldet, dass ein im Juli wegen Zeigen des Hitlergrußes verurteilter Polizist allem Anschein nach aktives Mitglied der Rosenheimer AfD ist. Ein Video hatte ihn als Teilnehmer einer internen AfD-Veranstaltung gezeigt.

Die Süddeutsche Zeitung ihrerseits berichtete jüngst über Stefan Bauer, Vorstandsmitglied der AfD im Landkreis Rosenheim, der zurzeit als aggressiver „Coronarebell“ in der Gefolgschaft von Atilla Hildmann auffällt. Und Andreas Kohlberger, zuletzt Bürgermeisterkandidat der AfD in Rosenheim, konnte man bis zuletzt auf einem Youtube-Video von einer AfD-Veranstaltung aus dem Jahr 2018 näher kennenlernen, auf das ebenfalls AfD Watch Rosenheim hingewiesen hatte.

Dort hetzte Kohlberger gegen Menschen mit Migrationshintergrund in einer Weise, die einem Gewaltaufruf zumindest sehr nahe kam: „Aber wenn ich dem eine – entschuldigen Sie den Ausdruck – aufs Maul geb’, dann weiß er, was eine Grenze ist. Das hab’ ich mein Leben lang so gemacht, und das werd’ ich immer so machen.“ Außerdem sagte der Politiker, er habe jeden zweiten Tag gewalttätige Auseinandersetzungen „mit Türken“ gehabt, und lästerte über „unsere Männer“ und deren „nicht vorhandene Eier“.

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