Situation in deutschen Kitas: Zu wenig Personal, zu viele Kinder

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung legt Schwächen bei der Kinderbetreuung in Deutschland offen. Es gibt große regionale Unterschiede.

Kindergartenkinder sitzen im garten und lesen in Büchern.

Brauchen mehr und besser ausgebildete ErzieherInnen: Kinder in einer Kita in Hamburg Foto: Ulrich Perrey/dpa

BERLIN taz/dpa | Viele Kitas in Deutschland haben zu wenig Personal, um alle Kinder gut zu versorgen, insbesondere ausgebildete Betreuer*innen fehlen. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung in ihrem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“. Durch die Mängel steige „das Risiko einer niedrigeren Bildungsqualität“ befürchten die Autor*innen. Gewerkschaften fordern als Reaktion auf die Ergebnisse bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn für Betreuer*innen.

Laut der Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde, kommen in Krippen auf ein*e Betreuer*in durchschnittlich etwa vier, in Kindergärten fast neun Kinder. Nötig für eine angemessene Betreuung wäre laut Studie aber ein Verhältnis von etwa eins zu drei beziehungsweise eins zu sieben. Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern ist die Realität davon weit entfernt. Während Krippen in Baden-Würtemberg und Bremen im Schnitt fast den Idealwert von drei Kindern pro Betreuer*in erreichen, sind es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen etwa doppelt so viele Kinder, um die sich ein*e Betreuer*in im Schnitt kümmern muss.

„Der Personalschlüssel übersetzt sich eins zu eins in die Qualität der Betreuung“, warnt Björn Köhler, Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sei „ein großes Problem“, dass sich am Wohnort entscheide, wie gut die Bildung ist, die ein Kind erhält, so Köhler.

Nicht immer ist es aber der Osten der Republik, der schlechter abschneidet. Zum Beispiel bei der Gruppengröße in den Kitas – auch die ist relevant für die Qualität der Betreuung. Laut Bertelsmann-Stiftung sollten Gruppen maximal zwölf jüngere oder 18 ältere Kinder umfassen. Im Westen werden laut Studie zwei Drittel der Kinder in Gruppen betreut, die über diesen Vorgaben liegen. Im Osten ist lediglich ein Drittel der Kinder betroffen.

Es braucht mehr Geld

Die Kita-Beschäftigten im Osten sind außerdem besser ausgebildet: In den ostdeutschen Bundesländern sind über 80 Prozent der Kita-Beschäftigten ausgebildete Betreuer*innen, im Westen sind es nur knappe 65 Prozent. Bei den restlichen Beschäftigten handelt es sich um Assistenzkräfte.

Was also muss passieren, damit mehr und besser ausgebildete Erzieher*innen in den Kitas landen – und zwar flächendeckend? Köhler fordert ein Bundesgesetz, das deutschlandweit eine Betreuungsquote festschreibt. Außerdem ist er überzeugt: „Das Gehalt muss steigen.“ Köhler verweist darauf, dass angehende Erzieher*innen für ihre Ausbildung teils bezahlen müssen – statt wie andere Azubis bezahlt zu werden.

Seine Kollegin, die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle betont, dass weiterhin auf die Qualifikation der Betreuenden geachtet werden müsse: „Wir verstehen die Notlage, in den Kitas Personal zu gewinnen. Diese darf aber nicht dazu führen, dass fachliche Standards auf Dauer abgesenkt werden.“

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wies die Kritik an der Qualität der Kitas am Dienstag zurück. „Es ist nicht richtig, derart gravierende Zweifel an einer kindgerechten Betreuung in den Kitas zu säen“, erklärte die SPD-Politikerin. In den Kitas leisteten jeden Tag Erzieherinnen und Erzieher hervorragende und kindgerechte Arbeit. „Diese lässt sich nicht nur am Betreuungsschlüssel festmachen“, betonte Giffey. Sie verwies zudem auf die rund 5,5 Milliarden Euro, die den Ländern über das sogenannte Gute-Kita-Gesetz für Qualitätsverbesserungen und weniger Gebühren zur Verfügung gestellt werden.

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