Siemens Energy geht an die Börse: Fossiles ohne Ende

Kaum auf dem Parkett, schon gibt es Kritik von NGOs: Die Kraftwerkssparte von Siemens hat keinen Zeitplan für den Ausstieg aus der CO2-Wirtschaft.

Ein Frachtschiff mit Kohle, Detailaufnahme

Ein Frachtschiff mit Kohle auf dem Fluss Mahakam in Indonesien Foto: Willy Kurniawan/reuters

BERLIN taz | Kaum war der Börsenneuling auf dem Parkett, hagelte es Kritik an Siemens Energy. „Es ist höchste Zeit, intern zu klären, wie der Konzern so schnell wie möglich aus Fossilen aussteigen kann“, forderte Urgewald-Energieexpertin Regine Richter am Montag. Das war der Tag, an dem der Industrieriese Siemens mit seiner Kraftwerkssparte an der Frankfurter Börse startete.

Das lief vollautomatisch: Zum Börsenstart wurden eine Energy-Aktie pro zwei Siemens-Papiere an Aktionär*innen ausgegeben. Diese erhielten so 55 Prozent der Anteile, 9,9 Prozent gingen an einen Siemens-Pensionsfonds. Die restlichen 35,1 Prozent der Firma mit 91.000 Mitarbeiter*innen weltweit und einem Jahresumsatz von 29 Milliarden Euro hält Siemens weiter selbst.

Der Vorteil: Zwar schreibt Siemens Energy Verluste, aber fast aus dem Nichts war eine Firma mit einem Börsenwert von 16 Mil­liarden Euro entstanden, gleichzeitig verloren die Papiere des Mutterkonzerns kaum ein Wert. Ein gutes Geschäft, auch wenn die Aktien mit etwa 22 Euro Wert pro Papier unter den Erwartungen landeten.

Ähnlich war Siemens bereits mit Osram verfahren, Bayer mit Lanxess und Covestro, Eon trennte sich so von Uniper. Die sogenannten Spin-offs folgen der Logik, dass weniger mehr ist, einzelne Teile den Wert einer gesamten Firma übertreffen können.

Zweifelhafte Aussichten

Und: Siemens wird auch ein Problem los. Die Aussichten von Siemens Energy in einer Welt, die CO2-Emissionen abbauen will, sind zweifelhaft. Wenn das Portfolio so bleibt, wie es ist. Der Konzern produziert vor allem konventionelle Kraftwerktechnik für die Stromproduktion aus Kohle, Gas und Öl sowie Explorationsanlagen für die Öl- und Gasindustrie. Immerhin: Die Energy-Beteiligung am Windanlagenbauer Siemens Gamesa ist allein knapp 10 Milliarden Euro wert.

Klimaaktivist*innen stört dennoch, dass der Konzern einer der drei Anteilseigner der geplanten „Reindeer Station“ ist, eines Gaskraftwerks in Israel. Trotz des Protests benachbarter israelischer und palästinensischer Gemeinden soll das größte private Kraftwerk der Region ans Netz.

Ebenso umstritten ist, dass Siemens Energy in Indonesien die Turbinen für die Kohlekraftwerke Jawa 9 und 10 liefern soll. Zwar hat Siemens den Ausstieg aus dem Bau von Kohlekraftwerken in Aussicht gestellt – allerdings ohne konkreten Zeitpunkt.

Außerdem betont der Konzern, mit der für 2024 geplanten Inbetriebnahme werde die Stromerzeugung klimafreundlicher, weil alte Kraftwerke vom Netz gehen. Die Turbinen seien effizienter als die alten, also wesentlich klima- und umweltschonender. NGOs wie Urgewald betonen hingegen, durch die Kraftwerke werde die fossile Energieerzeugung in der Region auf Jahrzehnte festgeschrieben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Klimawandel

Die Erderwärmung bedroht uns alle. Die taz berichtet daher noch intensiver über die Klimakrise. Alle Texte zum Thema finden Sie unter taz.de/klimawandel.

Zudem bieten wir Ihnen das aktivistische Klima-Abo: Lesen Sie 10 Wochen die taz für nur 10 Euro. Davon geht 1 Euro als Spende an das Mangroven & Bienen Projekt in Nhangau/Mosambik.

Alle Artikel zum Thema

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de