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Serie „The Danish Woman“ auf ArteSchwarzer Humor auf Island

Eine dänische Ex-Agentin will ihre isländischen Nachbarn zu besseren Menschen erziehen. Doch die innerskandinavischen Befindlichkeiten sind komplex.

Die Isolation Islands nach der Landnahme durch den offiziellen Erstsiedler, den norwegischen Wikinger Ingólfr Arnarson, hat dazu geführt, dass sich die von rund 300.000 Menschen gesprochene isländische Sprache in tausend Jahren kaum verändert hat und somit noch heute dem Altnordischen ähnelt, mit der größten Nähe zum Färöischen und Südwestnorwegischen. Das muss man vielleicht nicht wissen – es lässt einen den obsessivsten Running Gag einer neuen isländischen Serie aber vielleicht etwas eher nachvollziehen.

Da echauffiert sich nämlich in „The Danish Woman“ besagte Dänin ein ums andere Mal darüber, dass die Isländer nach ihrem Dafürhalten so unzureichend Dänisch sprechen, obwohl sie es doch in der Schule alle gelernt haben müssten.

Ein anderer Däne stellt seinen Chauvinismus unter Beweis, wenn er den Isländern einen „kolonialen Minderwertigkeitskomplex“ attestiert. Von den Schweden wiederum wird behauptet, sie seien ängstlich, wollten sich immer einig sein in allem, trügen sogar alle die gleichen Klamotten. Zwischen diesen nach außen immer so solidarisch auftretenden Nationen scheint es da doch so ein paar innerskandinavische Befindlichkeiten zu geben.

„The Danish Woman“

Sechs Episoden, ab 29. 1. in der Arte-Mediathek; ab 5. 2., 21.45 Uhr, jeweils donnerstags auf Arte

Die mangelnden Dänischkenntnisse der Isländer passen der dänischen Frau jedenfalls nicht in den Kram. Und wenn dieser gerade erst eingewanderten Ditte Jensen etwas nicht passt, ist das ein Umstand, den insbesondere ihre neuen Nachbarn in dem Wohnblock in 105 Reykjavik unbedingt ernst nehmen sollten. Die Erste, aber nicht die Letzte, die das mit ihrem Leben bezahlen muss, ist die Katze, die sich an Dittes Allerheiligstem, dem Gemüsegarten, vergeht.

Kleine Jungs umbringen

Ein anderes Anliegen, das ihr sehr am Herzen liegt, ist der Kampf gegen fossile Brennstoffe. Und „Kampf“ muss man in diesem Fall wörtlich nehmen. Ditte ist eine Geheimdienst- und Armeeveteranin im Unruhestand – dem aus ihrer Sicht allzu ungezogenen Nachbarsjungen zeigt sie einmal ihr Fotoalbum: „Da bin ich im Irak. Dort habe ich gelernt, wie man Menschen wehtut … Und das ist ein altes Foto aus Bosnien. Ich war ein Sniper. Dort habe ich gelernt, zu töten … Und das ist Afghanistan. Mein Job dort war es, kleine Jungs wie dich zu brechen.“

Gelernt ist gelernt. Ditte meint es wirklich gut mit ihren Mitmenschen, allein, am Ende laufen ihre Erziehungsmethoden immer auf tiefschwarze Pädagogik hinaus. Wer nicht hören will, muss fühlen. „The Danish Woman“ läuft natürlich, wie einst „101 Reykjavik“, auf eine tiefschwarze Komödie hinaus.

Und dass die so gelungen ist, liegt natürlich auch daran, dass sie der nicht nur in Skandinavien sehr bekannten – dänischen – Hauptdarstellerin Trine Dyrholm von Regisseur Benedikt Erlingsson und Ólafur Egill Egilsson auf den Leib geschrieben wurde.

Die ist nicht nur Schauspielerin („Das Fest“, „Die Erbschaft“) – als Sängerin hat sie es schon auf Platz eins der dänischen Charts geschafft. Diese Doppelbegabung macht sich die Serie ausgiebig zunutze, indem sie Dyrholm etliche Songs, darunter Björks „Human Behaviour“, selbst singen lässt, stets begleitet von einer sehr eigenwilligen Tanzperformance. Körperlich gibt Trine Dyrholm absolut alles, namentlich in der sechsten und vorerst letzten Folge.

Immer wieder haben Schauspielerinnen um die 50 in den vergangenen Jahren ihre mangelnde Sichtbarkeit, gar Altersdiskriminierung beklagt. Zwei Schwalben machen noch keinen Sommer. „The Danish Woman“ und die nicht weniger fulminante feministische „Breaking Bad“-Variante „Queen of Fucking Everything“ aus Finnland (in der ZDF-Mediathek) lassen vielleicht trotzdem hoffen, dass sich da gerade etwas ändert. Zumindest in Skandinavien.

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