Schwiegerkind von Ex-Ministerpräsident: Anikó Glogowski-Merten leitet Niedersachsens Landeszentrale
Die ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete wird Chefin der Landeszentrale für politische Bildung in Hannover.
Die rot-grüne Landesregierung hat die FDP-Politikerin Anikó Glogowski-Merten zur neuen Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung berufen. Sie war bis zum vergangenen Jahr kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag und – Funfact – hat die Ampel-Koalition sozusagen am Küchentisch: 2022 hat sie den Braunschweiger Ratsherrn Robert Glogowski geheiratet. Damit ist Gerhard Glogowski – eine SPD-Größe und ehemaliger Ministerpräsident – ihr Schwiegervater.
Gegründet wurde die Landeszentrale 2017 mit dem Auftrag, die Menschen für Demokratie zu begeistern und das Verständnis für Politik zu fördern. In puncto Demokratie hat sich Glogowski-Merten Meriten erworben, als sie vor einem Jahr als eine von zwei FDP-Abgeordneten gegen das Zustrombegrenzungsgesetz stimmte, das die CDU/CSU unter Inkaufnahme von AfD-Stimmen im Bundestag durchdrücken wollte.
Der Antrag habe gezeigt, dass die CDU/CSU-Fraktion bereit sei, Mehrheiten mit Fraktionen am rechten Rand in Kauf zu nehmen. „Dies widerstrebt den Werten, für die ich stehe“, schrieb Glogowski-Merten in einer persönlichen Erklärung auf Facebook. „Die Geschichte unseres Landes hat uns gelehrt, mit Extremisten darf man keine gemeinsamen Beschlüsse treffen.“
Glogowski-Merten gehört auch zu den 49 Bundestagsabgeordneten, die vor zwei Jahren ein Verbotsverfahren für die AfD prüfen lassen wollten. Vorausgegangen war ein Treffen Rechtsextremer in Potsdam, das bundesweit Demonstrationen auf den Plan gerufen hatte. Die AfD habe wieder einmal gezeigt, wie gefährlich sie sei, sagte Glogowski-Merten damals. „Es liegt an uns allen, die Rechtsextremen von der politischen Bühne zu drängen, die sie für ihre Belange nutzen.“
Die Ampel im Herzen
Die 43-jährige Glogowski-Merten ist in der DDR aufgewachsen. Sie studierte Kunst- und Erziehungswissenschaft zunächst in Magdeburg, dann in Braunschweig, wo sie heute noch lebt. Sie arbeitete als Lehrbeauftragte an der Hochschule für bildende Künste (HBK) Braunschweig und als Forenleiterin für die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, wo sie Veranstaltungen zur politischen Bildung organisierte und moderierte. Für ihren neuen Job bringt sie also einige Vorerfahrung mit.
„Ich freue mich sehr, dass wir mit Anikó Glogowski-Merten eine neue Direktorin haben werden, die aktiv mit den unterschiedlichen Zielgruppen ins Gespräch kommen will“, erklärte Falko Mohrs (SPD), Minister für Wissenschaft und Kultur.
Entsprechend äußerte sich die Gekürte selbst: Es sei ihr ein besonderes Anliegen, „die politische Bildung in Niedersachsen offen, vielfältig und digital weiterzuentwickeln“. Dazu gehöre auch eine enge Zusammenarbeit mit kulturellen Akteurinnen und Akteuren, Schulen, Hochschulen und der Zivilgesellschaft.
Glogowski-Merten ist links genug, um sich über eine Ampel-Koalition zu freuen. Das habe sie sich im Wahlkampf 2021 gewünscht, sagte sie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Denn die Ampel sei für sie „das einzige progressive Bündnis“. Zugleich käme es für sie niemals infrage, die Grünen zu wählen, versicherte sie – grüner Ehemann hin oder her.
Die taz erwähnte sie lobend, weil sie leidenschaftlich kritisiert habe, wie Leute im Musikgeschäft im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie allein gelassen würden. Auch ihren Mann hat sie der HAZ zufolge über ihr gemeinsames Interesse an der Kreativsphäre kennengelernt.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert