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Schwarz-rote KoalitionsverhandlungenJetzt geht es ans Eingemachte

Am Freitag ist die sogenannte 19er-Runde im Willy-Brandt-Haus zusammengekommen. Bei den Spitzen von CDU, CSU und SPD geht es nun ums Wesentliche.

Die Gar-nicht-mal-so-Gro-Ko aus SPD und CDU/CSU tritt auf der Zielgeraden der Koalitionsverhandlungen in Berlin vor die Presse Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin taz | CDU-Chef Friedrich Merz musste am Freitag nach Berlin-Kreuzberg fahren. Zu allerersten Mal kam der CDU-Chef, der gern bald Kanzler einer schwarz-roten Koalition werden will, in das Willy-Brandt-Haus, die SPD-Zentrale in Berlin. Am Nachmittag ist hier die Spitzenrunde von CDU, CSU und SPD, die insgesamt aus 19 Personen besteht, zur nächsten Etappe der Koalitionsverhandlungen zusammengekommen. Der „entscheidenden Phase“, wie SPD-Chef Lars Klingbeil es nannte.

Bevor es losging, bemühten sich die vier Vorsitzenden, vorsichtigen Optimismus zu verbreiten – aber gleichzeitig auch die Erwartungen zu dämpfen, dass nun die allermeisten Forderungen aus den 16 Arbeitsgruppen erfüllt werden könnten. „Wir wollen, dass es klappt“, sagte Klingbeil. Die Gespräche seien bislang von einem immer größer werdenden Vertrauen geprägt, betonte Merz. Er gehe „zuversichtlich“ in die nächsten Tage. „Wir werden es gemeinsam schon wuppen“, so CSU-Chef Markus Söder.

Man werde, so Klingbeil weiter, nun die Ergebnisse der 16 Arbeitsgruppen kritisch diskutieren und priorisieren, aber: „Die Aneinanderreihung von vielen guten Forderungen macht noch keine gute Koalition.“ Alle Beteiligten müssten sich angesichts der Herausforderungen jetzt fragen: „Ist das groß genug?“ Entscheidend seien aus seiner Sicht drei Fragen: Gebe es einen klaren Plan, um Deutschland zu modernisieren? Das Land wettbewerbsfähig zu halten? Und hätten die Leistungsträger am Ende das Gefühl, dass sich ihr Leben verbessere?

„Wir brauchen in wesentlichen Fragen der deutschen Politik einen neuen Anlauf“, betonte Merz. Dann nannte er, was er immer nennt: Die Eindämmung der irregulären Migration, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Finanzplanung für den Bundeshaushalt: „Wir werden umfassend sparen müssen.“ Auch Söder betonte: „Wir müssen grundlegend etwas ändern.“

Ergebnispapiere durchgesickert

In den vergangenen Tagen waren die Ergebnispapiere der 16 Arbeitsgruppen, die der Spitzenrunde vorgeschaltet waren, nach und nach durchgesickert. In manchen von ihnen, etwa bei der AG Finanzen, dominieren blaue und rote Passagen. Das heißt: Diese Stellen sind noch nicht geeint. Rot steht für die Forderungen der SPD, blau für jene der Union. Laut SPD-Co-Chefin Saskia Esken sei die Öffentlichkeit über den Stand der Verhandlungen jetzt besser informiert, „als uns lieb ist“.

„Das sind sehr viele Ideen und Wünsche, aber unsere Mittel sind begrenzt“, so Esken und klang dabei fast ein bisschen wie Merz. Und SPD-Chef Klingbeil betonte, man dürfe jetzt nicht den gleichen Fehler wie die Ampel machen: „Viele gute Dinge aufschreiben, die am Ende aber nicht finanzierbar sind.“ Die Spitzengruppe wird laut dem SPD-Chef nun zuerst „eine Generaldebatte“ führen, Merz sprach von einem „gemeinsamen Bild“, das gezeichnet werden müsse. Am Freitag sollte es auch um die Finanzen gehen. Alles andere ist nachgelagert.

Am Ende werden völlig sachfremde Dinge gegeneinander verhandelt werden, damit eine Einigung möglich ist und jede der drei Parteien Erfolge vorweisen kann. Wie lange die Verhandlungen dauern, ist offen. Während zu Beginn vor allem Merz und die CDU Druck gemacht hatten, heißt es nun, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit. Ursprünglich war das Ziel, sich innerhalb der kommenden Woche auf einen Koalitionsvertrag zu einigen. Dieser könnte dann in der Woche vor Ostern unterzeichnet werden, in der Woche danach könnte Merz zum Kanzler gewählt werden. Ob das klappt? Öffentlich zumindest will sich zu diesem Zeitplan niemand mehr äußern.

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5 Kommentare

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  • Eins ist sicher:



    Im Bereich "Finanzen" wird die spd von den Blackrock Jüngern über den Tisch gezogen.



    Weniger Steuern für Firmen, mehr Steuern und ABGABEN für Arbeitende.



    Kohl 2.0

  • Ideed

    “Schwarz-rote Koalitionsverhandlungen



    Jetzt geht es ans Eingemachte“

    & wiedermal 💐 - fürs Fotto! Chapeau



    Körpersprache ist ja so verräterisch entlarvend



    (Söders Markus - vorneweg!



    Diese gern männliche Hand-vorm-Sack-Haltung - ist ein Produkt der Moderne & war bis in die 20-er verpönt - offizell ein absolutes NoGo! - 🙀🥳🧐 -



    Darüber gibt’s einen Film (Titel?) mit Original-Aufnahmen: Vorher Übergang Nachher!



    Das verblüffende Lachen bleibt einem spätestens dann im Halse stecken - als dir vor allem mit dem Vollkllemmi, der späteren Reichsschnotterbremse klar gemacht wird!



    Daß das Grassierende dieser Hand-vorm-Sack Attitüde mit dem Aufstieg der nationalen NS-Bewegung zusammenhängt •

    unterm—-btw



    Ins around gefragt - kann jemand mit Titel / Regisseur des Films aushelfen?



    Dank im Voraus



    & zB schon fortgeschritten - wa



    images.app.goo.gl/wBDtpNq1MyUNfJy47

    • @Lowandorder:

      Nein nein. Das ist bei Söder die Geste „Hand auf's Herz", - welches ihm aber wohl in die Hose gerutscht ist.

      • @starsheep:

        Liggers. Hier die norddeutsche Variante! Woll

        images.app.goo.gl/4gxeZUfhkcnkVgX3A

        unterm—-entre nous only —-



        Yes! inne 🛁 bekanntlich nur! Weil!



        Die Stern-Reporter Chaiselongue 🙀



        Nicht schreiben konnten! ©️ H. R. 💐

  • Es wirkt alles sehr bemüht, aber auch stark inszeniert. Die eigentlichen Konflikte scheinen vertagt zu werden, bis sie dann im Paket verhandelt werden können. Am Ende zählt wohl vor allem, dass jede Seite ein paar Punkte mitnehmen kann, ob das reicht, wird man sehen.