Schulverweis nach Bundeswehrkritik: Bamberg in Aufruhr
Der Fall eines Schülers, der den Besuch der Bundeswehr an seiner Wirtschaftsschule kritisierte, schlägt hohe Wellen. Die Schulleitung bleibt beim Verweis.
MÜNCHEN taz | Als Mark Hebl die Geschichte von Niklas Hatzold aus Bamberg las, war er empört. Der 17-jährige Schüler der Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule bekam einen verschärften Verweis, weil er sich kritisch gegenüber Bundeswehroffizieren äußerte, die in seiner Schule für den Soldatenberuf warben. Hebl arbeitet selbst für die Bundeswehr. Deshalb will er seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, zugleich aber seiner Wut Luft machen.
Ihn ärgert, dass die Schulleitung offenbar glaubt, so die Bundeswehr zu schützen. „Wir leben in einer Demokratie. Auch die Bundeswehr darf kritisiert werden“, sagt Hebl. Eine politische Gesinnung könne man nicht bestrafen. Bei der Bundeswehr, für die er selbst Beschwerden bearbeitet, wäre eine solche Disziplinarmaßnahme nie durchgegangen. Der Verweis sei rechtswidrig und für „jeden höheren Verwaltungsbeamten unwürdig“. Noch am selben Tag schrieb er eine Beschwerde an den Schulleiter und das bayerische Kultusministerium. Das hat mittlerweile die Regierung von Oberfranken gebeten, den Verweis zu prüfen. Dienstrechtlich sei die Stadt Bamberg zuständig.
Seitdem der zweifelhafte Verweis öffentlich wurde, ist die Stadt in Aufruhr. Für die Schule geht es um ihren Ruf, für den Schüler um seine Zukunft. Das umstrittene Stück Papier soll mittlerweile schon Thema in Bewerbungsgesprächen sein.
Schüler Hatzold, der die Empörungswelle losgetreten hat, distanziert sich von den Beleidigungen, mit denen seine Schule „überhäuft“ wurde. Die Schulleitung habe sich bis jetzt immer richtig verhalten, schreibt er in einer Stellungnahme. „Bis jetzt“, denn alle „Rechtfertigungsversuche“ der Schule seien „konstruiert“. Diese begründete ihren Verweis im Nachhinein damit, dass Hatzold das Schulgelände unbeaufsichtigt verlassen habe und außerdem krankgeschrieben war.
Die Schulleitung hat den Verweis bislang nicht zurückgenommen. Sie will sich auch nicht äußern und verweist auf die Stadt Bamberg. Schulreferent Christian Lange sagt: „Wir werden die Begründung des Verweises sehr gründlich analysieren.“ Er will die Lage möglichst rasch „deeskalieren“. Schüler Hatzold hat einen Vorschlag, wie das ginge: Er fordert die Rücknahme des Verweises.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert