Schulstart trotz Corona in Indien: Lernen mit virtuellen Elefanten

Eine Schule in Südindien macht während der Pandemie Unterricht mit 3-D-Animationen. Der Hauptheld mehrerer Videos ist ein Elefant – das kommt gut an.

Ein Elefant im Klassenzimmer

Ein Elefant im Klassenzimmer Foto: Screeshot TAZ

MUMBAI taz | In dem leeren Klassenzimmer ploppt plötzlich eine 3-D-Animation eines Coronavirus neben Lehrerin Sindhu auf. Mit freundlicher Stimme erklärt sie, was es damit auf sich hat, und geht zum Hauptthema der Stunde über: Elefanten, darunter ein großer grauer Dickhäuter, der auf der Stelle läuft.

Das Experiment des Grundschullehrers Shyam Vengalloor, das Ende Juni auf Youtube erschien, sorgte schnell für Aufmerksamkeit. Seit Ende März sind die Schulen in Indien geschlossen. Viele Erzieher und Eltern suchen nach Wegen, die Kinder online zu erreichen.

„Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, wenn sie Tiere sehen“, sagt der 26-jährige Sozialkundelehrer, der an der öffentlichen Aemaup-Schule im südindischen Kerala arbeitet. Elefanten gelten in Indien als ganz besondere Tiere. In Kerala sind sie auf alten königlichen Wappen abgebildet, Teil von lokalen Legenden und manchen religiösen Zeremonien.

„Mit dem Elefantenvideo konnte ich die Kollegen von meiner Idee überzeugen und wir haben bisher mehr als zehn Videos gedreht“, sagt Vengalloor, der erst seit Kurzem als Lehrer arbeitet. Studiert hat er Luft- und Raumfahrttechnik, daher rührt seine Affinität für Simulationen.

Schule startet: Deutschland hat den Schulstart im Corona-Jahr bereits weitgehend hinter sich. Am oder kurz nach dem 1. September startet nun in vielen Ländern weltweit das Schuljahr. Viele Regierungen zögern jedoch mit einer Rückkehr zum Alltag – niemand möchte die Fehler Israels oder Australiens wiederholen. Dort wurden die Kinder zu früh wieder zusammen in die Schulen gesteckt, eine zweite Coronawelle war die Folge.

Schule startet nicht: Bleiben die Schulen geschlossen, fällt für Millionen Schüler:innen der Unterricht aus. Weil es keine stabile Internetverbindung gibt, weil die Familien keine oder nicht genügend Computer oder Smartphones haben. Ein Drittel aller Schulkinder weltweit, vermeldete Unicef vergangene Woche, blieb im Lockdown von Bildung ausgeschlossen: mehr als 463 Millionen Kinder und Jugendliche.

Das taz-Dossier: Die taz bringt zum globalen Schulstart 2020 Berichte unserer Korresponent:innen aus den USA, Brasilien, Uganda, den Niederlanden, China und weiteren Ländern. Alle Texte gebündelt finden Sie nach und nach hier.

Mit dem Smartphone gefilmt

Angeregt hatten ihn 3-D-Effekte, die er in indischen Filmen gesehen hat. Doch Produktionen in einem Studio sind teuer. Also filmte er mit dem Smartphone im Klassenzimmer. „Dafür muss man nicht programmieren können“, sagt er.

In den Clips erzählen seine Kolleginnen vor der Kamera zu Themen wie dem Sonnensystem bis hin zu Tierkunde. In einem weiteren Video geht es um Autos und Flugzeuge, es gibt Arabischunterricht mitsamt einer virtuellen Stadtbesichtigung von Delhi oder Mathematikunterricht, bei der eine leuchtende Tafel präsentiert wird. Zu sehen sind die Clips auf dem Youtube-Kanal der Schule, geteilt werden sie über eine Whatsapp-Gruppe.

Zwar gilt Kerala als einer der progressiveren Bundesstaaten, doch auch hier hat nicht jedes Kind im Schulalter ein Smartphone oder Zugang dazu. „Wir haben deshalb angefangen, alte Telefone zu sammeln, sie zu reparieren und an die Schüler abzugeben“, sagt Vengalloor.

Von außen habe Vengalloor bisher nur wenig Unterstützung für seine Initiative erhalten, auch wenn es viel Lob gegeben habe. Schulen und LehrerInnen aus ganz Kerala haben sich bei ihm gemeldet und nach Rat gefragt. Vengalloor gibt mittlerweile Seminare, wie man Anima­tionen in Schulvideos einsetzen kann, auch wenn das für ihn den Unterricht mit den Kindern im Klassenzimmer nicht ganz ersetzen kann.

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