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Schulreinigung in BerlinSchüler*innen! Identifiziert euch mit der Toilette!

Die Berliner Schulen haben ein Gestank- und Schmutzproblem. Das hat eine neue Befragung ergeben. Die Bildungsverwaltung will sie sich mal ansehen.

Musterbeispiel für eine vergleichsweise saubere Berliner Schultoilette Foto: Annette Riedl/dpa

Berlin taz | Marode Gebäude, dreckige Klassenzimmer, stinkende Klos: Viele Berliner Schulen sind in katastrophalem Zustand. Zu dieser überraschenden Erkenntnis ist nun auch die Senatsbildungsverwaltung gekommen. Dafür brauchte es freilich nur eine Befragung von 20.000 Schüler*innen, an der Schule Beschäftigten und Eltern zu deren Zufriedenheit mit der Schulreinigung. Die Ergebnisse wurden nun vorgestellt.

Eindeutige Loser unter allen Schulräumen sind die Toiletten. Auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) wurden sie mit 4,0 bewertet. Es gibt also nur noch wenig Luft nach unten. Die Folge: „25 Prozent der Jugendlichen sagen, dass sie weniger essen und trinken, um in der Schule nicht auf die Toilette zu müssen“, so Svenja Ksoll von der German Toilet Organization. Das könne fatale Auswirkungen auf die Gesundheit haben, so die Projektkoordinatorin.

Die Bildungsverwaltung verfährt derweil nach dem Motto: Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die schönen Stunden nur. „Durch die Einführung der Tagesreinigung 2019 haben wir die Situation bereits verbessert“, sagt Torsten Kühne (CDU), zuständiger Staatssekretär für Schulbaufragen. Sicher, das reiche noch nicht aus. Deshalb, so Kühne, soll jetzt das Reinigungspersonal besser kontrolliert werden.

Konkret sollen alle Haus­meis­te­r*in­nen bis Ende des Jahres mit einem „digitalen Endgerät“ ausgestattet werden, mit dem sie schlechte Säuberung dokumentieren könnten. Zudem werde in jedem Bezirk ei­ne*n Kon­troll­ma­na­ge­r*in eingestellt, an den die Haus­meis­te­r*in­nen die Verstöße weiterleiten können.

Schlechte Bezahlung und Personalmangel

Das eigentliche Problem – die schlechte Bezahlung der Putzkräfte und der Personalmangel bei den Dienstleistern – wurde von CDU-Mann Kühne bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstagnachmittag ausgeblendet. Dabei ist laut Befragung genau das einer der Hauptgründe für die Schmuddel- und Stinkzustände. Stattdessen fokussierte man sich auf verschmutzende Schüler, die sich nicht „mit ihren Toiletten identifizieren“ könnten.

Das hat System. Bereits seit Jahren werden Forderungen nach einer Rekommunalisierung der Schulreinigung vom Senat erfolgreich ignoriert. Seit den 90er Jahren beschäftigen die Bezirke kein eigenes Putzpersonal mehr für die Schulen, die Reinigung ist outgesourct an Private, meist an die günstigsten Bewerber. Das führt zu Dumpingpreisen, Ausbeutung der Ar­bei­te­r*in­nen und schmutzigen Schulgebäuden.

Was aus der Befragung jenseits der Digitalausstattung für Haus­meis­te­r*in­nen nun folgt, ist nicht ganz klar. Staatssekretär Kühne sagt, man werde sich „mit den gewonnenen Erkenntnissen intensiv beschäftigen“. Eilt ja auch nicht.

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3 Kommentare

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  • Ein fleißiger Mensch kann eine Toilette gut sauber machen und sauber halten. Schwierig wird es mit dem Fallrohr unterhalb der Toilette. Da jeder Leibstuhl mit einer Rohrbiegung (Siphon) ausgestattet ist, kommt man mit einer Spirale da nicht hinein. Wartungsdeckel im gefliesten Bereich einzubauen klappt auch nicht so.

    Frag nicht, was der Staat für Dich tut, frag, was Du für Dein Land tun kannst: Zumindest für die Kinder der höheren Klassen so ab 4. Klasse halte ich es für pädagogisch wertvoll, wenn die Kinder Reinigungsteams bilden und die Toiletten selbst pflegen. Das kann sehr wohl auch für die Sauberkeit vom Rest der Schule gelten. Ob der Staat damit Geld spart oder wegen Aufsicht und Pädagogik auch Kosten entstehen, ist eine andere Frage.

  • Der Hauptgrund für verdreckte Toiletten sind nicht die fehlenden Putzkräfte, sondern die Benutzer. Vielleicht sollte man die Kinder mal selber putzen lassen, damit sie lernen, dass man Toiletten auch ordentlich und sauber hinterlassen kann!

    • @Sandra Becker:

      Sehr guter Vorschlag. Denn bei Ihnen zu Hause machen Sie das ganz bestimmt nicht. Ich gehe mal davon aus das es "aus Frust" und Willkühr geschieht. Hilfreich wäre auch nach Geschlechter aufzuschlüsseln.