Schulen im Normalbetrieb: Keine Panik, bitte

Schulen sind zwar keine Infektionstreiber. Doch jetzt müssen endlich Pläne für kleinere Klassen her. Das ist gesünder für alle – auch ohne Corona.

Schüler und Schülerinnen in einem Klassenzimmer tragen Mund-Nasenbedeckung bei geöffnetem Fenster

Ständiges Lüften von Klassenzimmern und Frieren sind im Winter keine Alternative Foto: Wolfgang Rattay/reuters

Die Zahlen sehen dramatisch aus: Über 300.000 Schüler:innen sind derzeit in Quarantäne. Das sind sechsmal so viel wie noch Ende September. Doch dieser Anstieg ist weder überraschend noch überproportio­nal. Zum Vergleich: Ende September meldete das Robert-Koch-Institut gerade mal zwei Hotspot-Regionen in Deutschland. Die Zahl der Neuinfek­tionen lag damals bei rund 1.800. An diesem Mittwoch sieht die deutsche Coronakarte überwiegend rot aus, und das RKI meldet weit über 18.000 Neuinfektionen. Ein Anstieg um den Faktor 10. Die Zahl der Schüler:innen in Quarantäne wächst also langsamer als das Infektionsgeschehen insgesamt.

Hinzu kommt: Längst nicht alle Schü­ler:in­nen, die in Quarantäne sind, sind infiziert. Viele werden vorsorglich nach Hause geschickt, etwa weil Mitschüler:innen positiv getestet wurden. Es besteht also kein Grund zur Panik! Schulen sind nach wie vor keine Infektionstreiber.

Natürlich ist Vorsicht geboten. Wer jedoch, wie Lehrerverbände und besorgte Eltern, jetzt nach geteilten Klassen und Unterricht im Wechselmodell für alle ruft, negiert die Risiken und Nebenwirkungen dieser Maßnahme. Denn wenn eine Lehrer:in nur die Hälfte der Klasse unterrichtet, dann haben die anderen zur gleichen Zeit eben keinen Unterricht. Und dieser Ausfall lässt sich auch nicht einfach mit Online-Tutorials oder Arbeitsblättern kompensieren. Die Folge: Wissenslücken werden größer, die Unterschiede zwischen Schüler:innen aus privilegierten und wenig privilegierten Haushalten wachsen.

Um den Präsenzunterricht in den – zugegeben auch ohne Pandemie überfüllten – Klassen aufrechtzuerhalten, muss jede Schule die nötigen Luftreinigungsgeräte bekommen. Geiz ist ungesund. Ständiges Lüften und Frieren sind im Winter keine Alternative. Leh­rer:in­nen müssen zu den Ersten gehören, die geimpft werden. Und mittelfristig sollten die Kultusministerien Pläne für kleinere Klassen vorlegen. Das ist gesünder für alle – auch ohne Corona.

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