Schul-Lockdown in Hamburg: Rektoren wollen ihre Kinder zurück

Schulleiter der Gymnasien fordern Wechselunterricht für alle Jahrgänge. Es wäre möglich, ein Drittel der Schüler zeitgleich ins Gebäude zu lassen.

Ein Schüler malt an einem Tisch die Buchstaben eines Lockdown Tagebuchs aus

Sozialisation ohne Schule: Kinder ab Klasse fünf sind in Hamburg wegen Corona Zuhause Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

HAMBURG taz | Nach der Elterninitiative „Back to school“ fordern jetzt auch Schulleiter die weitere Öffnung der Hamburger Schulen. „Wir bekommen täglich Zuschriften besorgter Eltern, die die Motivation ihrer Kinder schwinden sehen“, schreibt die Vereinigung der Leitungen Hamburger Gymnasien und Studienseminare (VLHGS). Lehrer erlebten Kinder, die abgehängt würden, denen Freunde und soziale Kontakte fehlten.

Wie berichtet, entfällt an Hamburgs weiterführenden Schulen – mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge und der 6. Klassen der Gymnasien – seit Weihnachten der Präsenzunterricht. Die lange Schließung aus 2020 hinzugerechnet, fehlen den Schülern acht Monate Schule. Die Petition „Back to school“ fordert deshalb „Wechselunterricht“ für alle Stufen. Die Gewerkschaft GEW fordert dagegen, die mittleren Jahrgänge sollten im zu Hause Fernunterricht bleiben, solange der Inzidenzwert in Hamburg über 100 liegt. Zuletzt lag er bei 124,9.

Doch die Gymnasialleiter halten die jetzige Praxis für nicht länger gangbar. Denn Schule habe auch die Aufgabe, die individuelle Entwicklung und Sozialisation der Kinder zu ermöglichen. „Die Fixierung auf die Abschlussjahrgänge ist falsch. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel hin zu den pädagogischen Bedürfnissen“, sagt VLHGS-Vorstand Christian Gefert zur taz. Es gebe zum Beispiel Fünftklässler, die kaum Unterricht in ihrer neuen Klasse hatten. Die erreiche man kaum noch. „Die machen nicht mal mehr den Bildschirm an.“

Konkret fordert die VHLGS eine „Öffnungsstrategie“ mit vier Säulen. So sollte es den Schulen erlaubt sein, von Mai bis zu den Sommerferien ein Drittel ihrer Schüler gleichzeitig im Schulgebäude zu beschulen. Die Zeiträume und Jahrgänge sollten von den Schulen festgelegt werden. Ziel sei aber, jedem Schüler vor den Ferien Präsenz zu ermöglichen. Ferner gehörten die Bildungspläne „kurzfristig adäquat gekürzt“, damit Raum für Pädagogik bleibe. Zudem solle täglich getestet werden und alle Lehrkräfte sollten ein Impfangebot bekommen.

Senator Rabe prüft „Spielräume“ für Klasse fünf und sechs

Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagt dazu, er verstehe den Wunsch nach Schulöffnung für weitere Klassen „allzu gut“. Der aktuelle Bundestagsbeschluss fordere aber ab einer Inzidenz von 100 Wechselunterricht, ohne dies auf bestimmte Jahrgänge zu beschränken. Gleichfalls gebe es in allen Bundesländern solche Beschränkungen. Hamburg liege mit seiner Öffnungsstrategie im „Mittelfeld“. Eine Öffnung werde in jedem Fall möglich, wenn die Inzidenzzahl stabil unter 100 liege. Ob es darüber hinaus Spielräume gebe, werde „derzeit geprüft“, so Rabe. Vorrangig seien dabei die Klassenstufen fünf und sechs „in den Blick zu nehmen“.

Christian Gefert merkt an, so eine Prüfung dürfe nicht lange dauern. „Wenn wir jetzt keinen Plan machen, besteht die Gefahr, dass einige Stufen bis zu dem Sommerferien gar nicht mehr in die Schule kommen.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de