Schlaf und Gewicht: Schlafen im Hellen erhöht das Risiko für Übergewicht
Eine Metaanalyse mit mehr als 867.000 Teilnehmenden zeigt: Wer nachts künstlichem Licht ausgesetzt ist, wird häufiger übergewichtig oder adipös.
Wenn es im Winter schon gegen 16 Uhr dunkel wird, werden viele Menschen früher müde und möchten mehr schlafen. Dahinter steckt eine komplexe Biologie und vor allem das Hormon Melatonin. Es steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus: Bei Dunkelheit wird es verstärkt produziert, Tageslicht hemmt die Produktion.
Weil Menschen heutzutage viel Zeit – oft auch abends – mit Handys, Computern und anderen Bildschirmen verbringen, sind sie ständig künstlichem Licht ausgesetzt. Das verringert die Schlafqualität. Doch damit nicht genug: In einer Studie haben Forschende nun einen weiteren negativen Effekt von künstlichem Licht bei Nacht entdeckt.
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Die Studie
Menschen, die bei künstlichem Licht schlafen, haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht oder Adipositas. Dabei geht es nicht nur um blaues Licht wie das von Handybildschirmen, sondern um künstliche Lichtquellen und Lampen im Allgemeinen. Ein Forschungsteam der Beijing University of Chinese Medicine veröffentlichte im Dezember 2025 die Ergebnisse einer Metaanalyse im Fachmagazin BMC Public Health. Darin wurden Beobachtungsstudien mit insgesamt mehr als 867.000 Teilnehmenden analysiert.
Elf Studien untersuchten konkret das Risiko für Adipositas, definiert als Body-Mass-Index (BMI) über 30. Sechs Studien untersuchten das Risiko für Übergewicht, definiert als BMI über 25. Der BMI ist ein aus Körpergröße und Körpergewicht abgeleiteter Indexwert. In der Gruppe mit der höchsten nächtlichen Lichtexposition war das Risiko für Adipositas erhöht, ebenso das Risiko für Übergewicht. Der Zusammenhang war vor allem in Nordamerika und Asien ausgeprägt. Für Europäer sind die Ergebnisse wegen der geringen Datenlage nur eingeschränkt aussagekräftig.
Das Forschungsteam hat eine These aufgestellt, mit der es den Zusammenhang erklärt: Künstliches Licht hemme die Ausschüttung von Melatonin und störe den Fett- und Insulinstoffwechsel.
Bei den Untersuchungen handelt es sich um sogenannte Beobachtungsstudien, die zwar einen statistischen Zusammenhang beweisen, aber keine Ursache-Wirkung-Aussagen treffen. Wer jeden Tag mit künstlichem Licht schläft, wird also nicht automatisch übergewichtig. Bei adipösen oder übergewichtigen Menschen kann dieser Faktor aber eine Rolle spielen.
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Was bringt’s?
Die Studie liefert einen Hinweis auf einen möglichen, bislang unterschätzten Risikofaktor. Rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland ist adipös. Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird. Erkenntnisse über den Einfluss von Schlaf mit künstlichem Licht auf das Körpergewicht erweitern das Bild.
Wie dunkel man es im Schlafzimmer mag, ist also nicht nur eine Frage der Vorliebe, sondern möglicherweise auch der Gesundheit.
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