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Schachgenie Magnus CarlsenEin Wasserfall auf die Mühlen der Kritik

Das Heimspiel in Oslo wird für den ehemaligen Schachweltmeister und Dominator des Sports völlig überraschend zum Desaster.

Ausgerechnet vor dem Heimspiel in Oslo unkten Kritiker, dass Magnus Carlsen aus der Schachweltrangliste eliminiert werden sollte. Argument: Der Dominator auf den 64 Feldern, der vor mehr als drei Jahren den WM-Titel freiwillig abgegeben hatte, spielt kaum noch Turnierpartien, die für die Elo-Spielstärkezahl den Ausschlag geben.

Die Nörgelei ließ Carlsen vor dem ersten Zug beim Norway Chess lässig abprallen. Die „Debatte um den ersten Platz in der Weltrangliste wäre legitimer, wenn ich in den Formaten, die ich spiele, schlecht abschneiden würde“, befand der Weltmeister im Blitz- und Schnellschach, der seit Juli 2011 ununterbrochen das Ranking des Schachweltverbandes FIDE anführt.

Damit nicht genug: „Ich gönne niemand anderem die Nummer eins, solange ich das Gefühl habe, immer noch der Beste zu sein“, gab der 35-Jährige eine deutliche Kampfansage ab. So richtig an einen Wachwechsel mochte auch keiner glauben, lag der Titelverteidiger am 1. Juni mit 2841 Elo satte 49 Zähler vor den beiden US-Amerikanern Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. Das sind Welten auf den 64 kleinkarierten Feldern!

Ungewöhnlicher Patzer

Ganz zu schweigen von Weltmeister Dommaraju Gukesh, dem 109 Elo auf Carlsen fehlen. Der Ende Mai 20 Jahre alt gewordene Inder stand noch mehr im Fadenkreuz der Kritiker. Der jüngste Weltmeister der Schachgeschichte räumte dabei sogar selbst ein, dass er seit dem Titelgewinn im Dezember 2024 „weit hinter den Erwartungen“ blieb.

Die Krise von Gukesh setzte sich beim 6. Norway Chess in Oslo fort: Nach acht der zehn Runden trägt er mit acht Punkten die rote Laterne und fällt damit im FIDE-Ranking auf Platz 22 zurück. Doch einer verlor in dem sechsköpfigen Weltklassefeld noch mehr Elo: Carlsen! Die scharfe Kritik an den seltenen Turnierpartie-Einsätzen des Überspielers der letzten eineinhalb Jahrzehnte hatten nur wenige Fans für bare Münze genommen, trug sie doch vor allem Hans Moke Niemann als Wortführer vor. Der aktuelle Weltranglistenzwölfte aus den USA liefert sich permanent Scharmützel mit Carlsen, die sogar schon die Gerichte mit einer Millionenklage beschäftigte.

Aber selbst Niemann hätte wohl nicht daran gedacht, dass er in Oslo einen ganzen Wasserfall auf seine Mühlen bekommt. Gleich vier seiner acht Turnierpartien verlor sein Erzfeind bisher!

Nach der zweiten Niederlage gegen den Inder Praggnanandhaa Rameshbabu in Runde acht geißelte sich Carlsen selbst für einen ungewöhnlichen Patzer: „Das war einfach unglaublich schlecht gespielt! Ich habe einfach vergessen, dass er seinen Läufer ziehen kann, der lange gefesselt war.“

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Vincent Keymer liegt mit zehn Punkten zwar nur einen Zähler besser als Carlsen. Der Weltranglistensechste spielte aber in den Turnierpartien weit besser: Der Tabellenvierte sicherte sich mit einem Sieg über Gukesh drei Zähler und remisierte bisher die restlichen sieben Partien. Der 21-Jährige zollt dem ungewöhnlichen Turnierformat Tribut: Nach Friedensschlüssen stehen Blitz-Armageddon-Duelle an – und hier zog der Deutsche regelmäßig den Kürzeren. So bekam er jeweils nur einen Punkt statt 1,5. Ansonsten hätte Keymer, der von seinem größten Erfolg in Rumänien direkt angereist war, umgehend das nächste Topturnier gewinnen können.

Den Sieg machen so die Carlsen-Bezwinger Wesley So (USA/14), Alireza Firouzja (Frankreich/13) und Praggnanandhaa (Indien/12) unter sich aus. Für Keymer bleibt der Trost, dass er von allen Konkurrenten in Oslo Carlsen am nächsten auf die Pelle rückt. 48 Elo fehlen ihm momentan auf den Norweger. Vielleicht erübrigen sich Niemanns Giftpfeile bald gar auf dem Brett, wenn Magnus Carlsen weiterhin so agiert wie bei seinem völlig missratenen Heimspiel.

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