S-Bahn-Haltepunkt an Bremer Universität: Umstrittener Standort

Der geplante S-Bahn-Haltepunkt an der Uni soll endlich kommen. Die Verkehrssenatorin will ihn an der Achterstraße, der Asta näher am Zentralbereich.

Straßenbahn Linie sechs an der Bremer Uni

Ist in Stoßzeiten ziemlich überfüllt, jedenfalls ohne Corona: die Linie 6 in Bremen Foto: Eckard Stengel/Imago

BREMEN taz | Der neue Uni-nahe S-Bahn-Haltepunkt auf der Strecke Bremen-Hamburg soll kommen, da ist man sich einig. Uneinigkeit besteht allerdings darin, wo. Während Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) die Achterstraße in der Nähe des Berufsbildungswerks bevorzugt, präferieren der Technologiepark e.V. und der Asta der Uni den Standpunkt Otto-Hahn-Allee nahe des Gebäudes Naturwissenschaften 1. Letzterer hat sich nun in einem offenen Brief an die Senatorin gewandt, weil er ihre Lösung für „ökologisch und ökonomisch unvernünftig“ hält.

Die oft überfüllte Linie 6 werde mit einer Haltestelle an der Achterstraße nicht entlastet, so die Kritik des Astas, weil die Uni nicht in Fußnähe liege und Pendler:innen so doch wieder in die Straßenbahn umsteigen würden. Ebenso sei die Anbindung des Stadtteils Horn-Lehe durch die Achterstraße nicht gegeben, weil die Taktung der Busse dorthin viel zu niedrig sei.

„Zu sagen, der eine Standort ist zentral und der andere gar nicht, ist nicht richtig“, sagt dagegen Jens Tittmann, Sprecher der Senatorin. Der Unterschied der Wege – 1,1 und 0,9 Kilometer – sei gering und die Annahme über fußfaule Menschen überholt. Zudem würde die Linie 6 ohnehin schon durch den Haltepunkt an sich entlastet werden.

Prognostizierte Ein- und Aussteiger:innen an der Achterstraße sind 1.600 pro Tag, an der Otto-Hahn-Allee wären es nur bis 1.400, so Tittmann. Um dort einen Haltepunkt ausreichend zu erschließen, wäre außerdem eine Verlängerung der Linie 8 bis dorthin notwendig. Dies sei aber nicht „vordringliche Planung des Senats“. Der Favorit ist klar – beschlossen ist Corona-bedingt aber noch nichts.

Die Wahl folge „vor allem dem politisch-strategischen Kalkül, die Kleingärtner*innen nicht gegen sich aufzubringen“, sagt der Asta

Die Wahl folge „vor allem dem politisch-strategischen Kalkül, die Kleingärtner:innen südlich der Otto-Hahn-Allee nicht gegen sich aufzubringen“, kritisiert der Asta weiter. Ganz Unrecht hat er damit nicht, denn Tittmann warnt vor Klagen durch die Kleingärtner:innen.

Wenn das passiert, sei die Haltestelle womöglich erst in über zwölf Jahren realisierbar. „Der Standort Otto-Hahn-Allee würde unweigerlich das intakte Parzellengebiet kaputt machen“, so Tittmann. Das sei auch in Zeiten des Klimaschutzes kein gutes ökologisches Signal.

Dominik Lange vom Asta versteht Naturschutz abstrakter: Wenn der Standort Achterstraße am Ende nicht genutzt werden würde, bringe das dem Klima auch nichts. „Ich bin selbst gependelt und würde wahrscheinlich nicht die Achterstraße nutzen wollen, weil die Linie 6 mir da zu voll ist“, sagt er.

Martin Heinlein, Geschäftsführer des Vereins Technologiepark Uni Bremen, schließt sich den Argumenten des Astas an. Wenn Kleingärten weichen müssen, brauche es eben Ausgleichsflächen, so Heinlein. Wenn sich der Technologiepark rund um die Otto-Hahn-Allee weiter entwickelt, sei es eine Chance, hier den Haltepunkt zu setzen. „Langfristig bietet sich dann auch die Option, die Linie 8 dorthin zu verlängern.“

Der Beirat Horn-Lehe will vor allem eines: „dass der Haltepunkt auf jeden Fall kommt“, sagt Sprecherin Heike Menz (CDU). Die CDU in Horn-Lehe präferiert leicht die Otto-Hahn-Allee. „Nach bisherigem Kenntnisstand sehen wir dort mehr Platz, um den Haltepunkt zu entwickeln und die Verkehrslage zu entspannen.“ Man sperre sich aber nicht gegen die Achterstraße, sagt Menz. Hauptsache sei die zeitnahe Realisierung.

Der Beirat Schwachhausen hat sich noch nicht mit dem Haltepunkt befasst. Beiratssprecherin Gudrun Eickelberg (Grüne) hält die Achterstraße für eine gute Wahl. „Es gibt auch Argumente für die Otto-Hahn-Allee, aber der Schutz der Kleingärten ist sehr wichtig.“ Eine perspektivische Erweiterung der Linie 8 findet sie „okay – aber bitte nicht durch die Gärten“.

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