Russischer Künstler ermordet: Auf dem Parkplatz erschossen
Semyon Skrepetzki begeisterte und verstörte mit seinen Kunstwerken, in denen er das Putin-Regime hart kritisierte. Nun wurde er in Polen erschossen.
Foto: Semyon Skrepetsky/Facebook/reuters
Er habe Semyon Skrepetzki immer wieder gebeten, vorsichtig zu sein. „Alter, sie sind hinter dir her. Bitte sei immer auf der Hut, das kann böse enden“, habe er ihm gesagt. Doch sein Freund habe es immer wieder zu weit getrieben, zitiert der russische Dienst der BBC den russischen Tätowierer und Künstler Bulat Subchankulow.
Jetzt ist Semyon Skrepetzki, mit bürgerlichem Namen Robert Kysowkow, tot. Der 44-Jährige wurde am Montag auf einem Parkplatz in Biała Podlaska erschossen. Die polnische Kleinstadt ist 40 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt. Die Leiche wies fünf Schusswunden auf, am Tatort wurden fünf Patronenhülsen und ein 9-mm-Luger-GEC-Projektil gefunden.
Skrepetzki wurde in der sibirischen Region Altai geboren. Dort lebte er in einem Dorf in der Nähe der Stadt Bijsk. 2021 verließ der Karikaturist Russland und ging nach Polen. Zunächst lebte Skrepetzki in Biała Podlaska in einer Flüchtlingsunterkunft. Nach der Anerkennung seines Antrags auf politisches Asyl bezog er dort eine Wohnung.
Bekannt wurde der verheiratete Vater von fünf Kindern vor allem durch seine Karikaturen, die einige als genial, andere jedoch als absolut geschmacklos bezeichnen. Darauf sind häufig männliche Genitalien und Exkremente zu sehen sowie nackte Politiker bei sexuellen Handlungen miteinander oder mit Tieren sowie beim Verrichten ihrer Notdurft.
Großer Stalin, kleiner Putin
Bevorzugt arbeitete er sich an der russischen und belarussischen Führungsspitze sowie dem tschetschenischen Präsidenten Kadyrow nebst dessen Sohn Adam ab. Auf einem seiner Werke ist ein kleiner Wladimir Putin zu sehen, den Stalin in der linken Hand hält. Eine andere Karikatur zeigt den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko als Hitler mit einem Eimer voller Kartoffeln.
Aber auch vor der russischen Opposition, genauer gesagt dem 2024 in Haft zu Tode gekommenen Alexei Nawalny, den er einmal als ein „Produkt des Kremls“ bezeichnete, und dessen Ehefrau Julia, machte er nicht Halt. Die ukrainische Regierung, allen voran Präsident Wolodymyr Selenskyj, verschonte er ebenfalls nicht.
Nicht zuletzt dieser Umstand führte dazu, dass Skrepetzki auf einer ukrainischen Webseite namens „Mirotworez“ (Friedenstifter) landete. Die Betreiber dieser inoffiziellen Plattform veröffentlichen dort persönliche Daten (auch die Wohnadresse) von Personen, deren Handlungen ihrer Meinung nach gegen die nationale Sicherheit der Ukraine gerichtet sind.
Am 12. Juni, einem nationalen Feiertag in Russland, tauchte Skrepetzki vor der russischen Botschaft in Berlin auf – mit einer traditionellen russischen Pelzmütze und Bastschuhen, die Brust mit zahlreichen selbst gefertigten Orden behängt, in der Hand die Stalin-Putin-Karikatur. Aus einem Loch in seiner Hose hing eine russische Flagge, die Skrepetzki demonstrativ in einen Mülleimer entsorgte.
Massive Drohungen
Nach seinem Auftritt in Berlin habe der Künstler, so sagen es Insider, massive Drohungen erhalten – übrigens nicht zum ersten Mal. Doch Drohungen, welcher Art auch immer, habe Skrepetzki, so sein Freund Subchankulow, nie ernst genommen. Das Angebot, sich von polnischen Sicherheitsdiensten schützen zu lassen, hatte er mehrfach abgelehnt.
Am Donnerstagmorgen wurde in der Stadt Piastów bei Warschau ein Tatverdächtiger festgenommen. Laut Polizeiangaben habe der Mann einen Reisepass genutzt, der auf einen 36-jährigen georgischen Staatsbürger ausgestellt war. Polnische Medien berichten, dass der Pass gefälscht gewesen sei und es sich bei dem Festgenommenen um einen gebürtigen Tschetschenen handele.
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