Rückkehr in die Türkei: Alles eine Frage des Sounds
Endlich den nervigen Wecker an die Wand knallen, in die Türkei zurückkehren und sich vom Krähen der Hähne wecken lassen! Zu schön, um wahr zu werden.
O sman, ich habe keine Lust mehr, jemals wieder in die Türkei zurückzukehren“, flüstert meine Frau traurig, während sie gebannt den türkischen Nachrichtenkanal verfolgt.
„Eminanim, ich wusste gar nicht, dass du so etwas überhaupt in Erwägung ziehst“, sage ich überrascht.
„Doch, selbstverständlich habe ich daran gedacht. Sogar die deutschen und russischen Rentner ziehen massenweise in die Türkei um“, erwidert sie schroff.
„Okay, okay. Nimm mich bitte mit, wenn du auswanderst“, grinse ich. „Sag mal, warum willst du plötzlich nicht mehr zurück, nur weil dort jetzt genauso viele Deutsche und Russen sind wie in Bremen?“
Sie schaut mich vorwurfsvoll an, dass die Antwort förmlich in ihrem Blick geschrieben steht:
„Das kannst du dir doch wohl denken, du Ignorant!“
„Weil die Türkei bald in die EU aufgenommen wird?“, frage ich zaghaft.
Sie schnauft energisch. Im berühmt-berüchtigten Wörterbuch,Deutsch–Eminanim – Eminanim–Deutsch' wird dieses Schnaufen so übersetzt:
„Nein, verdammt noch mal! Die Türkei kommt niemals in die EU!“
„Weil die Türkei bald genauso wie Iran sein wird?“, frage ich.
Sie schnauft noch heftiger und rollt die Augen. Übersetzt heißt es:
„Sag sowas nicht, mein Gott! Die Welt ist sowieso aus den Fugen geraten. Überall nur als Staatschefs getarnte Clowns.“
„Okay, dann rate ich weiter. Weil dort die Gefängnisse voll mit Schriftstellern sind und du keine Lust hast, jemanden im Knast zu besuchen?“
Sie antwortet endlich im Originalton:
„Ich kenne doch keinen einzigen Schriftsteller, mein Gott!“
Worauf ich mit einem vielsagenden Hüsteln entgegne:
„Ööh-heem, öhh-heeemm.“
„Osman, du brauchst keine sonderbaren Geräusche von dir zu geben! In der Türkei werden aus Prinzip nur echte Schriftsteller ins Gefängnis gesteckt. Also bilde dir nichts ein“, knurrt sie.
„Jetzt weiß ich’s: Elon Musk schießt dich zum Mond.“
„Ich schieße dich gleich zum Mond, du Nervensäge!“
„Eminanim, ich bin kein Hellseher. Kannst du mir bitte endlich klipp und klar sagen, warum du nicht mehr in die Türkei zurückkehren willst?“
„Also gut. Du weißt doch, dass es mein Traum war, falls wir zurückgehen, unseren nervigen Wecker endlich genüsslich an die Wand zu knallen!“
„Eminanim, du glaubst gar nicht, wie dieser dumme Wecker mir jeden Morgen auf den Wecker geht. Nach dreißig Jahren hasse ich das Ding wie die Pest.“
Sie schaut mich traurig an und murmelt:
„Ich wollte doch nur in unserem Dorf ein paar Hühner züchten, um endlich mit echten Eiern zu frühstücken. Aber jetzt wollen die Türken das wegen der Hühnergrippe für immer verbieten. Warum soll ich dann in die Türkei gehen, wenn ich dort weiterhin mit einem nervigen,Ziiiirrrrrrnn' aufstehen muss, statt mit einem romantischen,Kikeriiikiiiiii'?“
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert