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Vingegaard ist mit fünf Bergetappensiegen und überlegenem Vorsprung der dominierende Athlet des 109. Giro d’Italia. Und bereit für die Tour de France

Die vorletzte Etappe des Giro: Jonas Vingegaard fährt als Sieger in Piancavallo ein Foto: IMAGO / ZUMA Press

Aus Rom Tom Mustroph

Er kommt zwar aus Dänemark, aber ein Hamlet ist er nicht. Jonas Vingegaard war bei diesem Giro d’Italia kein zweifelnder Dänenprinz. Er trat als Herrscher ohne Fehl und Tadel auf. Für einen wie den Dramatikgroßmeister William Shakespeare war seine Figur allerdings viel zu widerspruchsfrei angelegt. Für die Mitstarter beim Giro war Vingegaard aber einer aus einer anderen Dimension. „Er fährt einfach in einer anderen Liga“, sagte wiederholt der Zweitplatzierte Felix Gall aus Österreich.

Dieser konnte immerhin für sich in Anspruch nehmen, allernächster Augenzeuge von Vingegaards Klasse zu sein. Stets klebte er an dessen Rad. Er war auch der, der dem Dänen in den Bergen noch am weitesten zu folgen vermochte. Fünfmal war er Etappenzweiter am Berg, fünfmal hinter Vingegaard.

So war es auch am großen Abschlusstag auf der Rampe von Piancavallo. Recht früh schon, etwa elf Kilometer vor dem Zielstrich, scherte der Mann im rosa Trikot aus. Nur Gall klemmte sich für ein paar Hundert Meter ans Rad des Rosafarbenen.

Der strebte als Solist dem Ziel zu – und hatte nicht nur seine Konkurrenz deklassiert. Auch im Allzeitvergleich setzte er eine Bestmarke. Laut Auswertung der TV-Bilder von 1998 und 2026 kam die Gazzetta dello Sport zu dem Schluss, dass Vingegaard an diesem 30. Mai um drei Sekunden schneller war als Marco Pantani am 30. Mai 1998 auf dem gleichen Streckenabschnitt. Pikanter Unterschied: Pantani gab damals alles. Am Anstieg zu Piancavallo begann seine phänomenale Aufholjagd, die ihm am Ende nicht nur das Rosa Trikot in Mailand bescherte. Wenige Wochen später triumphierte er auch in Paris.

Die Tour de France und die Konkurrenz im Blick

Dieses Double hat Vingegaard ebenfalls im Blick. Den Giro sieht er dabei als optimale Vorbelastung für die Tour. „Alles hängt natürlich davon ab, wie du aus dem Giro kommst“, überlegte er nach dem souveränen Sieg in Piancavallo. „Kommst du komplett auf den Knien raus, brauchst du sicher zwei Wochen Pause, bevor du überhaupt richtig trainieren kannst“, konstatierte er, um für seine eigene Verfassung festzustellen: „Ich glaube aber nicht, dass ich auf den Knien herauskomme. Ich hatte ein gutes Gefühl den ganzen Giro über. Ich denke auch, dass das ganze Training, die ganze Vorbereitung und auch dieser Giro dazu geführt haben, dass ich mich in diesem Jahr noch einmal verbessert habe.“

Und dann sandte er auch eine Kampfansage an die Adresse seines Dauerrivalen Tadej Pogačar: „Ich glaube, alles zusammen ist die beste Vorbereitung für die Tour.“

Fünf Tagessiege in den Bergen holte Vingegaard. Dass er nicht auch die sechste Bergankunft gewann, lag nur daran, dass er dort seinem Helfer Sepp Kuss die Lizenz zum Ausreißen erteilte. Der US-Amerikaner holte prompt den Tagessieg.

Nicht alles allerdings lief komplett nach Plan im Hause Visma. Seine Attacke am Samstag musste Vingegaard ein wenig früher beginnen, weil zwei seiner wichtigsten Helfer bei der Tempoarbeit ausfielen. „Sepp hatte nicht seinen besten Tag“, spielte Vingegaard auf Kuss an, der offenbar seinen Parforceritt vom Vortag nicht ganz verkraftet hatte.

Kein weißes Trikot für Piganzoli

Und Davide Piganzoli, bei den vorherigen Bergetappen jeweils der letzte Mann, hatte einen Freifahrtschein für den Kampf um das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Piganzolis Vorhaben allerdings misslang.

Er blieb Zweiter in der Nachwuchswertung hinter der anderen Giro-Entdeckung Afonso Eulálio (Portugal / Bahrain). Vingegaard immerhin stellte mit seiner langen Solofahrt unter Beweis, dass er auch das kann. Mit dem Bewusstsein, sogar in dieser Disziplin dem Dauerrivalen Pogačar nahe gekommen zu sein, fuhr der rosa gewandete Däne am Sonntag in die Ewige Stadt ein.

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