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„Robodogs“ von Künstler Beeple in BerlinRichtige Tiere?

In der Berliner Neuen Nationalgalerie zeigt der Künstler Beeple seine Robodogs. Sie laufen dank KI und haben die Köpfe von Tech-Milliardären oder Künstlern.

Beeple. Regular Animals, Neue Nationalgalerie, 2026 Foto: David von Becker/Neue Nationalgalerie

Der amerikanische Künstler Mike Winkelmann (Künstlername „Beeple“) beschäftigt sich mit digitaler Kunst, künstlicher Intelligenz und Robotnik. In der Neuen Nationalgalerie lässt er derzeit auf einem kleinen eingezäunten Quadrat im Tiefgeschoss sieben pudelgroße gelbe Roboterhunde wackelnd herumgehen, sich vorne beschnüffeln und hinten von ihnen aufgenommene Fotos ausstoßen. Gelegentlich nehmen sie nach Hundeart Platz. Bleiben sie zu lange sitzen, wechselt eine Assistentin ihre Akkus. Die Zuschauer ringsum sind begeistert und zücken ihre Handys. Aber das machen sie ja überall, und wie stets ist auch hierbei von „immersiv“ die Rede. Die Ausstellung heißt „Regular Animals“.

Robodogs gibt es viele, daneben auch noch Roboter-Kakerlaken, -Zebrafische, -Katzen und -Bienen. Eine „Robobee“, von den Bienenforschern der FU entwickelt, beherrscht die Bienensprache bereits so gut, dass die lebenden Bienen in ihrer Nähe zu dem von ihr gewiesenen Ort fliegen. Man erhofft sich damit Fortschritte in der Gehirnforschung.

Anders die „Mobees“ von Harvard-Forschern: Sie sollten bei anhaltendem Bienensterben diese Tiere ersetzen, wurden dann aber für militärische Zwecke – als „Minidrohnen“ – weiterentwickelt. „Die Militärs fantasieren bereits von riesigen Schwärmen tödlicher Insekten, die, auf 3D-Druckern hergestellt, 1 Dollar pro Stück kosten“, schreibt die US-Journalistin Lisa Margonelli, deren Buch „Underbug“ (2018) von Robotertermiten handelt – ebenfalls ein Harvard-Projekt.

Außer solchen tierisch anmutenden Robotern gibt es schon seit Längerem Schachroboter und neuerdings auch einen Tischtennis spielenden Roboter namens „Ace“. Er reagiert zehnmal so schnell wie menschliche Spieler, berichtete die Zeitschrift Nature im April.

Hunderoboter mit Köpfen von Musk, Zuckerberg, Bezos

Der Name „Roboter“ wurde 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek ins Spiel gebracht. Im Tschechischen gab es bereits das Wort „robota“ (Arbeit) und „robot“ (Zwangsarbeit). Čapek dachte bei seinem Roboter an den jüdischen Mythos vom Golem, einem künstlichen Menschen, aus Buchstaben und Lehm gefertigt, der gewaltige Kraft besitzt, aber keinen freien Willen. Man muss ihm Aufträge erteilen.

Für Beeples Hunderoboter gilt etwas anderes: Sie sind zwar programmiert, kommen aber als schwerreiche Auftragserteiler daher, insofern als sie im Gegensatz zu ihrem technoiden Körper realistische Silikonköpfe haben. Dabei handelt es sich um Beeple selbst und um Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Pablo Picasso, Andy Warhol und Nam June Paik, der als Einziger lacht. Dass es sich dabei um den koreanischen Künstler handelt und nicht um den nordkoreanischen Diktator, ist eine Vermutung von mir, denn im Leporello zur Ausstellung taucht er nicht als Robodog auf.

Stattdessen wird Paik darin als „historischer Gegenpunkt“ erwähnt, weil er bereits in den sechziger Jahren „robotische Skulpturen“ schuf, die allerdings nur so aussahen und ansonsten vor allem blinkten und flimmerten. Paiks „Andy Warhol Robot“ (1994) wurde in der Neuen Nationalgalerie neben Beeples Roboterhunde-Spielplatz aufgestellt. Er besteht aus Fernsehgeräten, Filmkameras und Tonbandspulen.

Warhol und Paik als künstlerische Vorläufer

Für beide, Paik und Beeple, ist Andy Warhol eine „zentrale Referenzfigur“, weil er die „Verbindung von Kunst, Massenmedien, Celebrity-Kultur und serieller Reproduktion verkörperte“. So gesehen sind Warhol und Paik künstlerische Vorläufer von Beeple, der seine Robodogs erstmalig mittels KI zum selbständigen Laufen brachte, weswegen die Silicon-Valley-Milliardäre als Köpfe von Beeples Hunderobotern ebenfalls „zentrale Referenzpunkte“ sind.

Wohingegen die anonymen Konstrukteure der anderen, eben erwähnten Roboter wissenschaftlichen Zwecken dienten beziehungsweise dienen. Und Picasso gut und gerne für künstlerische Ideen am laufenden Band stehen könnte („Nicht suchen, sondern finden!“).

Der tschechische Medienphilosoph und Kommunikationsforscher Vilém Flusser hat einmal gesagt – auf einer Konferenz im Allgäu: „Alle Kunst ist noch Vorkunst. Das Zeitalter der wahren Kunst beginnt erst mit der Herstellung selbstreproduktiver Werke.“ Davon sind Beeples Roboterhunde noch weit entfernt, dass sie fähig sind, weitere Robodogs hervorzubringen – so wie jetzt nur ihre kleinen Ausdrucke.

Beeple wurde übrigens damit bekannt, dass er täglich ein digitales Bild auf Tumblr postete, „Everydays: The First 5000 Days“ genannt, die er für 69,3 Millionen Dollar in der Kryptowährung „Ether“ versteigern ließ. Er ist damit die Nummer drei der teuersten lebenden Künstler hinter Jeff Koons und David Hockney.

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