Restaurant Kanaan: Ein kulinarisches Friedensprojekt steht vor dem Aus
Das israelisch-palästinensische Restaurant Kanaan in Prenzlauer Berg gilt als Symbol für Dialog und Zusammenhalt. Nun droht die Schließung.
Das israelisch-palästinensische Restaurant Kanaan füllt sich am Montagmittag nach und nach mit Gästen. Das in Prenzlauer Berg ansässige Lokal gilt seit seiner Eröffnung 2015 als Symbol für Dialog und Zusammenhalt. Einige Gäste sind heute auch gekommen, weil sie von der Notlage des Restaurants mitbekommen haben. „So was gibt es sonst nicht in Berlin, stattdessen sind Boykott und Spaltung überall präsent“, sagt eine Gästin.
Ende voriger Woche veröffentlichte das Kanaan einen Hilferuf, es stehe kurz vor der Schließung: „Krieg, wirtschaftliche Unsicherheit und stark zurückgegangene Einnahmen haben uns an einen Punkt gebracht, an dem wir ohne eure Hilfe nicht weitermachen können. Wenn sich in den kommenden zwei Wochen nichts ändert, müssen wir Kanaan schließen“ schreiben die Besitzer auf Instagram. Der Aufruf scheint erste Wirkung zu zeigen: „In den vergangenen Wochen war es wirklich sehr leer. Aber in den letzten Tagen merkt man schon, dass sich etwas ändert“, sagt eine Mitarbeiterin zur taz.
Das israelisch-palästinensische Restaurant ist über Berlin hinaus bekannt, nicht nur für seinen Hummus, sondern vor allem für seinen Einsatz für Dialog zwischen Israelis und Palästinensern. Die beiden Gründer, der israelische Unternehmer Oz Ben David und der palästinensische Koch Jalil Debit, setzten mit der Eröffnung 2015 die mutige Idee eines gelebten Friedensprojektes mitten in Berlin um. Seither engagieren sich die beiden über den Restaurantbetrieb hinaus in sozialen Projekten, zum Beispiel durch Kochkurse für muslimische Frauen oder die Beschäftigung von Geflüchteten.
Ob Dragshows arabischer und jüdischer Künstler*innen des Projekts „Yalla Hafla“, Ausstellungen von arabischen und israelischen Kunstwerken mit Dinnertalks oder zuletzt der Solidaritätsabend für den von Abschiebung bedrohten palästinensischen Aktivisten Hamza Howidy: Das Kanaan hat seine Räume immer wieder für Dialogprojekte und solidarische Aktionen geöffnet.
Hoffnung trotz Hass und Polarisierung
Durch das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und den anschließenden Krieg in Gaza ließen sich die beiden Gründer nicht entmutigen, im Gegenteil. In Zeiten von Trauer, Wut und politischer Spaltung entschieden sie sich, „jetzt erst recht“ weiterzumachen und Menschen zusammenzubringen. Trotzdem wurde das Kanaan seitdem immer wieder zur Projektionsfläche in der Debatte um Israel und Palästina, Vandalismus und Anfeindungen nahmen zu.
So drangen im Juli 2024 Unbekannte in das Lokal ein, zerstörten Möbel und Weinflaschen und hinterließen Hassbotschaften. Vereinfachte Freund-Feind-Logiken, gipfelnd in blindem Hass und Zerstörungswut, sind im Diskurs um Israel und Palästina keine Seltenheit, sondern breiten sich zunehmend aus.
Besonders in den letzten Wochen sei die politische Situation schwierig geworden, extreme Stimmen auf beiden Seiten würden immer lauter, sagt der Besitzer Oz Ben David. „Viele Gäste sind auch erdrückt von den schlechten Nachrichten.“ Dennoch machten sie die Erfahrung, dass das Kanaan ein Ort der Hoffnung ist.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert